Schlaflose Nächte und grosser Applaus

Volkskultur

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Glencore-Personalchefin Gerda Schwindt hielt eine launige 1.-August-Ansprache, die Jungen Grünen Zug protestierten – und Gemeindepräsident Andreas Hotz freute sich über einen gelungenen Anlass.

  • Die Festrede zum Bundesfeiertag in Baar hielt Gerda Schwindt, Personalleiterin der Glencore. (Bild Werner Schelbert)
    Die Festrede zum Bundesfeiertag in Baar hielt Gerda Schwindt, Personalleiterin der Glencore. (Bild Werner Schelbert)

Baar – «Nachdem ich der Gemeinde Baar zugesagt habe, die heutige Ansprache zu halten, hatte ich die eine oder andere schlaflose Nacht», liess 1.-August-Rednerin Gerda Schwindt die zahlreich aufmarschierte Bevölkerung auf dem Platz beim Schulhaus Marktgasse wissen. Und fügte dann hinzu: «Aber das ging wohl nicht nur mir so.» Der eine oder andere Zuhörer lächelte bei diesen Worten und wandte seinen Blick nach links.

Ein paar Meter vom schattigen Rednerpult entfernt stand eine Handvoll junger Leute und hielt Transparente in die Höhe. «Solidarität für die Opfer von Glencore», stand da beispielsweise zu lesen. «Die sollen ruhig noch länger in der Hitze schmoren», raunte ein Festbesucher seiner Begleiterin zu. Die Vorgeschichte: Als bekannt wurde, dass mit Gerda Schwindt eine Vertreterin des Rohstoff-Giganten Glencore in Baar die 1.-August-Ansprache halten sollte, kam vor allem seitens der jungen Linken Kritik auf. «Angesichts zahlreicher Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung gegen Glencore werden wir an der 1.-August-Feier anwesend sein und eine stille Protestaktion abhalten», kündigte Luzian Franzini an.

Der Co-Präsident der Jungen Grünen und Vorstand der Jungen Alternativen war gestern tatsächlich mit ein paar Mitstreitern vor Ort. In ihrer Rede sprach die gebürtige Ostschweizerin Schwindt, die seit neun Jahren im Kanton Zug lebt, auffallend häufig von Respekt. So auch in der Einleitung, in welcher sie ihre pauschale Vorverurteilung im Vorfeld des 1. August in gewissen Medien anprangerte. «Es hat mit Respekt zu tun, dass man eine Person kennenlernt, bevor man sich über sie ein Urteil bildet.» Dass ein so vielfältiges Land wie die Schweiz mit vier Amtssprachen und zahlreichen kulturellen Unterschieden dermassen gut funktioniere, habe eben auch mit der Fähigkeit zum Dialog zu tun. Oder eben mit gegenseitigem Respekt.

Überzeugend mit einer persönlichen Note

Glencore-Frau Gerda Schwindt hatte nach ihrer Rede die grosse Mehrheit der Anwesenden überzeugt. Der Applaus nach dem Ende ihrer Rede war gross. «Eine fantastische Rede, absolut überzeugend und mit einer persönlichen Note. Hat mir sehr gut gefallen», lobte Baars Gemeindepräsident Andreas Hotz. Und Luzian Franzini: «Ich erachte unsere Aktion als Erfolg. Wir konnten unsere Anliegen auf eine anständige Art aufzeigen.» Und zur Rede von Schwindt: «Wie erwartet hat sie immer wieder über ihre Firma gesprochen und wurde klar als Glencore-Person wahrgenommen.» Zu einem spontanen Treffen der beiden ungleichen Parteien ist es gestern nicht gekommen. «Immerhin haben wir mit Glencore-Pressesprecherin Sarah Antenore reden können», so Franzini. (Ruedi Burkart)