Als ein Zuger einer Abtei zur Blüte verhalf

Brauchtum & Geschichte

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Peter Schmid (1559–1633) aus Baar gilt als einflussreichster Vorsteher des einstigen Zisterzienserklosters Wettingen. Seine Spuren finden sich unter anderem auch im Kloster Tänikon bei Aadorf, wo eine Landsmännin Ähnliches bewirkte.

  • Das mittlere der drei Wappen am Prälatenhaus in Tänikon gehört dem Wettinger Abt Peter Schmid. (Bild Andreas Faessler)
    Das mittlere der drei Wappen am Prälatenhaus in Tänikon gehört dem Wettinger Abt Peter Schmid. (Bild Andreas Faessler)

Zug – Im Februar 2021 war an dieser Stelle die Rede von Sophia von Grüth (1503–1579), ab 1548 Äbtissin im Zisterzienserinnenkloster Tänikon im heutigen Thurgau. Die zugstämmige Ordensfrau hat das Kloster nach den Wirren der Reformation zu neuer Blüte geführt. Eine von Äbtissin Sophias Errungenschaften war im Jahre 1550 das erfolgreiche Ansuchen bei den Zürchern, das Visitationsrecht, welches bislang das Kloster Kappel innegehabt hatte, dem Abt von Wettingen zu übertragen. Fortan waren es der Wettinger Klostervorsteher, der in Tänikon aufkreuzte, um nach dem Rechten zu sehen.

Sohn eines Zuger Ammanns

Der Bau des sogenannten Prälatenhauses anno 1616, wo der Wettinger Abt und anderer hoher Besuch fortan residierte, fiel in die Regierungszeit von Äbtissin Veronika von Grüth, die Nichte und Nach-Nachfolgerin Sophias und ebenfalls von den Zuger von Grüth abstammend. Nach ihrem Tod am 28. April 1617 übernahm Anna von Wellenberg aus Zürich die Leitung des Klosters Tänikon. Diesen Wechsel symbolisiert unser obiges Bild: Es zeigt drei mit Abtsstab bekrönte Wappen, die wir noch heute an der Nordseite des Prälatenhauses von 1616 sehen. Die Zahl 1617 steht für den Tod Veronika von Grüths und zugleich für die Amtseinführung Anna von Wellenbergs. Das Wappen links mit einem in Brand stehenden Ast ist dasjenige der von Grüth, rechts dasjenige der von Wellenberg mit zwei gekreuzten Bärentatzen. Unser Hauptfundstück in diesem Beitrag ist jedoch das Wappen in der Mitte: Es ist dasjenige der Baarer Schmid – Hammer über Dreiberg, flankiert von zwei Lilien und überhöht von einem Stern. Neben dem Krummstab prangt zudem eine Mitra als Würdezeichen über dem Wappen. Im vorliegenden Kontext gehört dieses Peter Schmid (1559–1633) aus Baar, ab 1594 Abt in Wettingen. Die Wappen-Trilogie verrät uns, dass der hohe Kirchenmann aus dem Kanton Zug als Visitator 1617 die Amtsübernahme der neuen Äbtissin von Wellenberg begleitete.

Peter war der Sohn des Baarers Gotthard Schmid, Ammann des Standes Zug von 1585 bis 1587. Bereits im Alter von 15 Jahren trat Peter ins Kloster Wettingen ein, wurde mit 18 Diakon und erhielt weitere drei Jahre später die Priesterweihe. Sein Theologiestudium absolvierte er von 1581 bis 1588 an der Pariser Sorbonne. Auf seiner Rückreise besuchte er die Mutterabtei der Zisterzienser in Cîteaux. Wieder in Wettingen wurde Schmid Prior unter Abt Christoph Silberysen. Die nun anbrechenden Jahre waren geprägt von internen Klosterreformen. Schmid hatte jedoch ganz andere Vorstellungen von der Zukunft der Abtei als Silberysen. Schliesslich konnte sich der Baarer gegen seinen Vorgesetzten behaupten und wurde 1593 zu dessen Nachfolger gewählt.

Ausbau des Klosters

Ähnlich wie seine Landsfrau in Tänikon erwirkte Abt Peter Schmid ein Aufblühen des Konvents. Die hohe finanzielle Verschuldung der Abtei konnte er erfolgreich tilgen und liess die Klosteranlage baulich erweitern. Er liess unter anderem die von einem Brand von 1507 noch immer nur dürftig wiederhergestellte Klosterkirche neu ausstatten. Auch der bis heute (fast) vollständig erhaltene, kunsthistorisch überaus wertvolle Glasgemäldezyklus von Christoph Brandenberg aus Zug im Kreuzgang ist auf Initiative des kunstsinnigen Abtes aus Baar entstanden (siehe hierzu «Hingeschaut» vom 18. August 2018). Auch eröffnete Schmid 1624 im Zuge seiner Reformen des monastischen Lebens eine Philosophie- und Theologieschule, was für das Kloster einen zusätzlichen Aufstieg bedeutete.

40 Jahre lang wirkte Peter Schmid als ausserordentlich schaffenskräftiger, willensstarker und umsichtiger Klostervorsteher in Wettingen, weshalb er bis heute als der einflussreichste Wettinger Abt der postreformatorischen Klostergeschichte gilt. Er starb am 16. September 1633 in der Abtei. Seine Grabstätte liegt in der Klosterkirche. Die Reliefplastik über seiner Tumba zeigt den verstorbenen Abt, flankiert von einem Engelswesen und Bernhard von Clairvaux, Gründer der Zisterzienser. Darüber die Dreifaltigkeit und die Patronin des Klosters Wettingen, Maria Stella Maris. (Andreas Faessler)

Hinweis In der Serie Hingeschaut gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.