Liebesgeschichte auf dem Eis

Bühne

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Das weihnächtlich inszenierte Eislaufmusical «Shadow» sorgte am Samstagabend in der Bossard-Arena für volle Ränge. Es handelte sich um einen Mix aus Livemusik, Tanz und Eiskunstlauf.

Zug – Dass es kalt wird, war klar: Samstagabend zogen sich die Besucher in der Bossard-Arena die Kappen tief über die Ohren, kuschelten sich in ihre Daunenjacken ein und nippten an einem Becher dampfenden Tee. Wo normalerweise starke Männer in Brustpanzern den Puck über das Natureis flitzen lassen, offenbarte sich hier Akt für Akt die zauberhafte Welt der imaginären Opulenz. Zum Auftakt vermochte die 50- köpfige Swiss Powerbrassband aus Nid- und Obwalden mit fulminanter Akustik gleich mal das Eis zu brechen.

«Wir scheuten uns vor keiner Herausforderung und brachten eine weltweit einzigartige Verbindung von Livemusik, Tanz, Eiskunstlauf und Videomapping in die Arena», sagt die Ennetbürgerin Fleur Volkart im Interview. Bei Videomapping handelt es sich um auf Eis projizierte Bilder.

In Anlehnung an Literatur-Klassiker

Über hundert Mitwirkende kamen in einem eigenwillig durchmischten Ensemble von Laien und hochkarätigen Künstlern zusammen und brachten die moderne Version der Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens für einen Abend zu neuem Leben. «Ich hatte andauernd die Bilder der klassischen Dickens-Produktionen vor Augen», gestand Marcel Eichler aus Baar, Autor und Regisseur der Produktion «Shadow».

Dass Geizhals Ebenezer Scrooge eine derart bekannte Figur in der Literaturgeschichte sei, habe es nicht einfacher gemacht: «Es fiel mir anfangs schwer, mir eine frische, moderne Ver-sion auszudenken», so Eichler. Schliesslich schuf er aus dem Protagonisten Scrooge einen verbissenen Geschäftsmann und nannte ihn Lukas Raffke. Das Thema der Geschichte lehnte er an das psychodynamische Schattenprinzip von Carl Gustav Jung an, bei dem unbewusste Persönlichkeitsaspekte häufig verdrängt oder gar verleugnet werden, was schliesslich zu einem zwanghaft, qualvollen und unerfüllten Leben führen kann. In «Shadow» wird Lukas Raffkes Schwester und ehemalige Geschäftspartnerin Marion Raffke (Raya Sarontino) zwischen Himmel und Hölle festgehalten und versucht ihren Bruder vom gleichen Schicksal zu bewahren, indem sie ihm in der Nacht drei Geister schickt: Der Geist der Vergangenheit (Aurelia Würsch) versucht mit Raffke seine unglückliche Kindheit aufzuarbeiten, der Geist der Gegenwart führt ihm seine Situation vor Augen. Bis schliesslich der Geist der Zukunft ihm aufzeigt, wie Raffkes ultimatives Schicksal aussehen kann. Die Reise durch die Zeit führt ihn zu seiner Jugendliebe Sandra (Fleure Magalie), mit welcher er in früheren Zeiten glücklich war.

Stimmungsvolles Videomapping projizierte einen Ozean auf die Eisfläche, über den Janine Eggenberger auf dem Eis glitt und schliesslich am Trapez in die Höhe steigt. Das Publikum sass atemlos in den Rängen und folgte den halsbrecherischen Drehungen der Akrobatin, bis schliesslich Eiskunstläuferin Sarah Meier aus Zürich mit der Showgruppe Shades of Skates Licht ins Dunkle zu bringen versuchte. Trotz Happy End gelang es dem künstlerischen Leiter und Choreografen der Show, Saeed Hosseini, die fundamentale Dunkelheit der Geschichte durch launische Lichtführung, harte Farbkontraste und Mapping zwischen Bühne und Eis aufrechtzuerhalten und eine Kombination aus atemberaubender Akrobatik, Tanz und Schauspiel zu kreieren, was auch von den wundervollen Kostümen und Masken getragen wurde. Dickens’ Geschichten sind eben auch in der Moderne immer mehr Rembrandt als «Eisprinzessin». (Sabina South)