Späte Ehre für einen talentierten Künstler

Kunst & Design

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Im Dachgeschoss des Schwesternhauses wird Alex Stocker mit einer Retrospektive geehrt. Es sind Werke eines Menschen, der an mangelnder Anerkennung zugrunde ging.

  • Die Besucher – darunter die Baarer Gemeinderätin Sylvia Binzegger (kariertesHemd) – betrachten die Werke. (Bild WernerSchelbert)
    Die Besucher – darunter die Baarer Gemeinderätin Sylvia Binzegger (kariertesHemd) – betrachten die Werke. (Bild WernerSchelbert)

Baar – Die Ausstellung ist mit «Baar und Meer» überschrieben und widerspiegelt das Leben und Schaffen von Alex Stocker, den es nach den Wintermonaten, die er in Baar verbracht hatte, regelmässig in den Süden zog. Entsprechend ist die Werkschau thematisch zweigeteilt mit Arbeiten, die er als gelernter Grafiker im Winter schuf, und Gemälden, für die er sich am Mittelmeer inspirieren liess. «Zuhause war er ein fleissiger und Detail versessener Grafiker und im Sommer der ungebundene Weltenbummler», sagte Claudia Emmenegger, die Kulturbeauftragte der Gemeinde Baar. Sie führte am vergangenen Mittwochabend eine kleine, aber interessierte Schar von Besuchern durch die Ausstellung und gab Hinweise zu einzelnen Arbeiten.

Der 1926 geborene Alex Stocker, der an der Inwilerstrasse 27 in einer bürgerlichen Familie mit einem Bruder und einer Schwester aufwuchs, zeigte schon sehr früh eine zeichnerische und musikalische Begabung. Mit ersteren hinterliess er seine Spuren mit einem umfänglichen Werk von 126 Ölbildern, 80 Ölkreidezeichnungen und Hunderten von Bleistiftzeichnungen, die eine enorme Schaffenskraft erkennen lassen. Darunter hat es farbenfrohe Blicke auf das Baar von damals sowie Porträts von Menschen und Örtlichkeiten in Südfrankreich, Italien und Tunesien.

In Paris besuchte er auch Kurse im Malen von Akten, die für die damalige Zeit in ihrer avantgardistischen Art als provokativ empfunden wurden. Schon als Jugendlicher habe er Bekanntschaft machen müssen mit dem Phänomen des «Nicht-Gewinners», sagte Claudia Emmenegger. Ein sprechendes Beispiel dafür sei der Wettbewerb für ein neues Wappen, den die Gemeinde Baar in den 1940er-Jahren ausgeschrieben hatte. Eugen Hotz hiess der Gewinner – nicht Alex Stocker.

Wegweisendes Werk der Typografie

«Er war ein Genie», sagte Elso Schiavo, der ihn als Freund und Förderer persönlich kannte. Als einer, der ebenfalls als Grafiker tätig war, prägte ihn unter anderem «Lettera», ein wegweisendes Standardwerk der Typografie, das Stocker zusammen mit Armin Haab geschaffen hatte. Schiavo wusste aber auch um die Depressionen, unter denen sein Künstlerkollege zunehmend litt, nicht zuletzt wegen der fehlenden Anerkennung durch die Öffentlichkeit. Trotz ärztlicher Hilfe und Aufmunterung durch Kollegen schied Alex Stocker 1954 im Alter von 27 Jahren freiwillig aus dem Leben.

Die Ausstellung in Baar umfasst Werke aus dem Fundus der Gemeinde und einer Dauerleihgabe der Familie des Bruders, Paul Stocker. Ein Buch zum Leben und Werk von Alex Stocker kann zum Preis von 20 Franken an der Ausstellung oder auf der Gemeindeverwaltung gekauft werden. (Hansruedi Hürlimann)

Hinweis

Die Ausstellung im Schwesternhaus dauert bis zum 20. September und ist mittwochs, freitags und sonntags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr gratis zugänglich.