Eine etwas andere Fasnacht

Brauchtum & Geschichte

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Die traditionelle Grindufhänkete hat gestern in Oberägeri stattgefunden – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

  • Jetzt lacht der Legor: Die Oberägerer Fasnacht findet statt – wenn auch heuer etwas anders. (Bild Stefan Kaiser)
    Jetzt lacht der Legor: Die Oberägerer Fasnacht findet statt – wenn auch heuer etwas anders. (Bild Stefan Kaiser)

Oberägeri – Vom Coronavirus lassen sich die Oberägerer Legoren die Fasnachtslaune nicht verderben – so viel steht fest. Das wird im Video zur Fasnacht 2021, das seit kurzem auf Youtube aufgeschaltet ist und im Dorf die Runde macht, deutlich. Mit einer Ansprache von Legorenvater Martin Rust, einem kleinen Sketch und träfen Sprüchen, etwa über den «Raten»-Wirt, der es mit den Coronamassnahmen nicht ganz so genau nimmt, bringt die Fasnachtsgesellschaft die Bevölkerung in Stimmung. In den Hauptrollen: die Herren des Hohen Legorenrats sowie ihr Nachwuchs.

Aber nicht nur virtuell ist die 186. Legorenfasnacht offiziell eröffnet: Zwischen «Bären» und «Rössli» hängt nämlich hoch in der Luft seit gestern wieder der Legorengrind und macht darauf aufmerksam, dass die Fasnacht im Dorf auch in Coronazeiten stattfinden wird – wenn auch anders. Denn statt mit Pauken und Trompeten haben der Legorenvater und seine Kollegen den Grind in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am frühen Morgen an seinen Stammplatz befördert. Der 5. Januar markiert traditionell den Start der Oberägerer Fasnacht. «Für uns war klar, dass wir die Grindufhänkete trotz Corona durchführen, halt ohne Publikum und natürlich unter Einhaltung der Schutzmassnahmen», sagt Martin Rust. Pünktlich um 5.05 Uhr wurde der Grind hochgezogen – und begeisterte kurz darauf die ersten Passanten und Autofahrer. «Die Aktion hat sehr gut funktioniert, viele haben spontan gehupt und rund um den Dorfplatz sind schnell die Lichter angegangen», freut sich Rust. Anstatt danach durch die Beizen zu ziehen, gingen die Legorenräte um 6 Uhr zur Arbeit. «Mit einem guten Gefühl. Die Grindufhänkete war ein emotionaler und schöner Moment», sagt der Fasnachtschef.

Das Motto der diesjährigen bunten Zeit lautet «Mit Abstand zämestah». Alle vier Fasnachtsgesellschaften im Ägerital (Oberägeri, Unterägeri, Morgarten und Alosen) organisieren unter diesem Leitsatz verschiedene Aktivitäten. Dass die vier Gruppen zusammenspannen, ist bisher noch nie vorgekommen. «In normalen Zeiten herrscht ein gewisser Wettbewerb zwischen den Gesellschaften», sagt Martin Rust mit einem Augenzwinkern. «Insofern ist das gemeinsame Motto durchaus historisch.»

Motivationsprobleme gab es keine

Klar schlage die Situation aufs Gemüt und als neuer Legorenvater (Rust hat das Amt im Herbst von Michael Rogenmoser übernommen) hätte er sich seinen Einstand anders vorgestellt. Doch die Faust im Sack zu machen, kam nicht in Frage. «Für uns im Legorenrat stand schon im letzten Sommer fest, dass es eine Fasnacht geben wird. Wir hatten deshalb nie Motivationsprobleme.»

Das Herzstück der Oberägerer Fasnacht ist das Bühnenspiel, bei dem das Geschehen im Dorf Revue passiert und lokale Persönlichkeiten ihr Fett wegbekommen. Es findet traditionell am Güdelzischtig nach dem Umzug statt. Es wird auch heuer durchgeführt: «Wenn sich die Regeln bis dahin ändern, vielleicht mit einem kleinen Publikum, und sonst virtuell», so Rust. Zudem will der Legorenrat am Freitag vor den Sportferien in den Schulen, Spielgruppen, Kitas und im Alterszentrum Breiten die beliebten Legorenpäckli vorbeibringen. «Wir sind im Gespräch mit den Schulen. Die Idee ist, dass sich die Kinder an diesem Tag verkleiden können.» Auch Plaketten und Pins sollen verkauft werden. Noch unklar ist, ob und wie das «Betteln», also das Sammeln von Spenden an den Haustüren, stattfinden kann.

Für Nostalgiker wird die Legorengesellschaft auf ihrem Youtube-Kanal Filme der vergangenen Fasnachtsumzüge hochladen, sodass auch daheim in der Stube etwas Stimmung aufkommt. Mit der Grindufhänkete ist der Auftakt für die heuer etwas andere fünfte Jahreszeit im Dorf geglückt – und die Organisatoren haben schon mal bewiesen, dass es neben Corona noch ein viel ansteckenderes Virus gibt: das Fasnachtsvirus. (Rahel Hug)

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