André II. übernimmt das Zepter

Brauchtum & Geschichte

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Die Letzibuzäli eröffnen die Fasnacht mit der Inthronisation von Prinz André II. Odermatt. Für seine Mutter geht damit ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung.

  • Prinz André II. Odermatt spricht im Theater Casino Zug zu seinem Fasnachtsvolk und den Gästen. (Bild Charly Keiser)
    Prinz André II. Odermatt spricht im Theater Casino Zug zu seinem Fasnachtsvolk und den Gästen. (Bild Charly Keiser)

Zug – Im vollbesetzten, festlich dekorierten grossen Saal des Theater Casino Zug herrschte bereits eine ausgesprochen frohe Stimmung, als der Letzibuzäli-Zunftmeister Richi Rüegg den noch amtierenden Prinzen Theo I. und seine Prinzessinnen Regula und Trix aufforderte, die Bühne zu betreten. Rüegg hielt einen ausführlichen Rückblick über ein Amtsjahr des Prinzen, das mit vielen Höhepunkten gespickt war und alsbald enden sollte. Theo I. betonte: «Schön war es, wie Ferien. In meinem Amtsjahr durfte ich eine Menge froher Stunden verbringen, die mir in bester Erinnerung bleiben werden.»

Theo Itens Kinder überraschten mit einem fantastischen Schwyzerörgelikonzert, ehe ihr Vater von Claude Fux von der Bühne geholt und mit einem dreifachen «Lebuz, Lebuz, Lebuz» an den Tisch der ehemaligen Prinzen geführt wurde.

Die Geschichte vom Leinwandprinzen

Kurz darauf setzte sich André II. Odermatt, flankiert von den Prinzessinnen Madlen und Sandra, von zwei Bodyguards bewacht, auf den Letzibuzälithron. Der Zeremonius Jürg Messmer überreichte André II. das Zepter als Symbol über die Herrschaft des Letzibuzälivolks sowie die Plakette, ehe er ihn mit dem Schwert zum Prinzen schlug. Auf seine Bodyguards angesprochen, sagte André II. am Samstagabend schelmisch lächelnd: «Das ehrenvolle Amt des Letzibuzäliprinzen braucht Schutz.» Kurz darauf verriet er: «Meine Mutter, die seit 32 Jahren der Letzibuzälizunft angehört, wünschte sich einen Prinzen. Nun ist ihr Wunsch in Erfüllung gegangen.»

Und dann erklärte Prinz André II., der als «Leinwandprinz» in die Annalen eingehen wird, wie er zu diesem Übernamen gekommen ist. «Im vergangenen November, einen Tag nach der Heirat mit Madlen, war ich zu Hause, als mir per Video mitgeteilt wurde, dass ich zum Letzibuzäliprinzen erkoren wurde.» Dass er die ehrenvolle Wahl sofort annahm, versteht sich von selbst, zumal er betont: «Fasnacht ist eine Tradition und ein Brauchtum, das in jeder Agenda einen festen Platz verdient.» Und ehe die ellenlangen Huldigungen und Ehrungen anliefen, fragte Prinz André II. «Wann ist die Zeit reif für eine Prinzessin als Oberhaupt der Letzibuzäli?» Die Frage wurde mit viel Applaus verdankt, und das dürfte zumindest als Zeichen des Einverständnisses gedeutet werden.

Bei der Wahl zum «Fasnächtler des Jahres» war es bereits diesmal so weit: Olivia Schuler aus Rotkreuz wurde als erste Frau gewählt. Sie wurde für ihre Verdienste zur Aufrechterhaltung der Fasnacht in ihrer Wohngemeinde ausgezeichnet.

Dass die frohe Stimmung schon früh in Fahrt kam, ist nicht zuletzt das Verdienst der Musiker Casa Nostra aus Baar, die den Event schwungvoll eröffneten und eine über 50 Meter lange Polonaise durch den ganzen Casinosaal hervorriefen. Die Guggenmusiken Los Contineros und Guggalla warteten mit ohrenbetäubenden, kakofonischen Klängen auf, darüber hinaus riss der Comedien Rob Spence das Publikum mit den besten Nummern aus seinem aktuellen Programm von den Sitzen. (Martin Mühlebach)