Ein harter Arbeiter hinter den Kulissen

Film

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Peter Reichenbach hat den Film «Night Train to Lisbon» produziert. In Zug spricht er darüber unter freiem Himmel.

Zug – Die meisten Kinobesucher konzentrieren sich beim Vorspann eines Filmes wohl gerade noch auf den Regisseur und die Hauptdarsteller. Der oder die Produzenten bleiben in der Erinnerung hingegen selten hängen. Bei immer mehr amerikanischen Blockbustern sind mittlerweile all diese Angaben sogar am Ende aufgelistet. Eigentlich stellt dies mangelnde Wertschätzung gegenüber dieser/n Person(en) dar. Der Grund: Ohne Produzent kein Film. Was es alles braucht, um zwei Stunden Kino zu machen, ist immens. Das weiss Peter Reichenbach aus eigener Erfahrung. Der 58-jährige Zürcher ist Produzent. Sein jüngstes Produkt - «Night Train to Lisbon» - läuft derzeit erfolgreich in den Kinos. Seit dem Kinostart am 7. März verzeichnete der Film in der deutschen Schweiz über 165 000 Eintritte. Seit «Der Verdingbub», übrigens auch von Peter Reichenbach produziert, war kein Schweizer Film erfolgreicher.

Hochkarätige Besetzung

Das Drama ist am kommenden Freitag zum zweiten Mal im Rahmen des 18. Zuger Open-Air-Kinos an der Seepromenade zu sehen. Peter Reichenbach wird live vor Ort sein und ein Interview geben, in dem er über seine Berufswelt spricht. «Night Train to Lisbon» hat eigentlich alles, was zum Erfolg führen kann: Der dänische Regisseur Bille August (64, «Les Misérables») hat einen guten Ruf, einen Oscar und zwei Goldene Palmen. Auch die Besetzung ist mit Jeremy Irons, Lena Olin, Bruno Ganz, Martina Gedeck, Charlotte Rampling und Christopher Lee erstklassig. Alles Attribute, welche bei einem Schweizer Film überraschen. Auch das Budget erreicht seltene Höhen: Es beträgt rund 10 Millionen Franken. Das bedeutet, dass Reichenbachs Produkt einer der teuersten Filme ist, welcher je in der Schweiz entstanden ist. Der Betrag mag gegenüber einer durchschnittlichen Hollywood-Produktion ein Klacks sein. Für einen Schweizer trifft dies jedoch nicht zu. «Der Markt ist klein», sagt Reichenbach und fügt gleich noch an: «Die Schweiz ist ein schwieriges Pflaster.» Nur schon, um die Schweiz abzudecken, sind drei Sprachfassungen notwendig. Ist der Streifen in Mundart gedreht worden, muss für einen allfälligen Export nach Deutschland untertitelt oder gar eine Synchronfassung erstellt werden. Vorgänge, die ins Geld gehen.

Ab Herbst in den USA

Bei «Night Train to Lisbon» war die Sprache - Englisch - schon durch die Besetzung gegeben. Diese Konstellation macht eine internationale Vermarktung einfacher. Es gibt natürlich eine deutsche Fassung. Laut Peter Reichenbach hat die Verfilmung des Romans von Pascal Mercier (alias Peter Bieri) in Deutschland bereits 750 000 Personen ins Kino gelockt. In den Niederlanden steht die schweizerisch-deutsch-portugiesische Produktion in den Top Twenty. Und im Herbst wird «Night Train to Lisbon» in den USA und in Kanada zu sehen sein.

Bis zu diesem Erfolg mussten Peter Reichenbach und seine Mitstreiter - ein Film bedingt grosses Teamwork - hart arbeiten: «Wir haben das Projekt bis zum Drehbeginn sechs Jahre lang vorangetrieben.» Der erste Schritt war für Reichenbach der Kauf der Filmrechte, dann hat der Zürcher einen Regisseur gesucht und die Besetzung zusammengestellt. «Das ist alles parallel gelaufen», erinnert sich Reichenbach. Ein unverzichtbares Hilfsmittel war dabei laut Reichenbach sein gutes Netzwerk: «Mein Kapital ist mein Handy mit all den Telefonnummern und Adressen.» Wichtig waren die vorgenannten Produktionsschritte auch bei der Suche nach Finanzquellen: «Wir hatten zudem einen guten Stoff.» Ein weiterer Vorteil, der es einfacher gemacht habe, zu Geld zu kommen.

Vom Projekt überzeugt

Beim Entwicklungsprozess lief aber trotzdem nicht alles wie am Schnürchen: «Es gab Rückschläge. Wir haben uns aber immer wieder aufgerappelt.» Was dabei auch hilfreich gewesen sei: «Ich war immer vom Projekt überzeugt.» Es trägt die Handschrift von Reichenbach: «Der Produzent ist der Unternehmer. Er hat ein Vetorecht und klare Vorstellungen, wie der Film laufen soll.» Bei «Night Train to Lisbon» habe er sich schon lange vor Drehstart intensiv mit dem Regisseur Bille August unterhalten und das Projekt gemeinsam vorangetrieben. Herausgekommen ist ein sehenswerter Film. (Marco Morosoli)

Hinweis
«Night Train to Lisbon» wird am Freitag um zirka 21.30 Uhr im Open-Air-Kino Zug gezeigt. Produzent Peter Reichenbach wird als Gast vor Ort sein.
 

Vom Opernhaus zum Kinofilm

ZUR PERSON. Peter Reichenbach ist am 31. Oktober 1954 in Zürich geboren. Er begann als Regieassistent bei verschiedenen Kino- und TV-Produktionen. Von 1977 bis 1980 arbeitete er in Frankfurt und in Salzburg an der Oper. 1981 siedelte Reichenbach nach Berlin über, wo er als Theater- und Opernregisseur tätig war. Er arbeitete unter anderem auch am Zürcher Opernhaus. 1990 bis 1999 war er Produzent bei Condor Films. Mit anderen zusammen gründete Reichenbach 1999 die C-Films. Er ist heute noch in dieser Firma aktiv, und das nicht nur als Miteigentümer. Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends hat er bei verschiedenen TV- und Kinoprojekten mitproduziert. Als seinen wichtigsten Film bezeichnet Reichenbach «Der Verdingbub», der zahlreiche Preise ergattert hat. Unter anderem den Prix Walo 2012 in der Kategorie Kinofilm. Der Zürcher wirkte aber im Hintergrund auch bei «Grounding - Die letzten Tage der Swissair» (2006), «Mein Name ist Eugen» (2005) und «Havarie» (2006) mit. Der letztere für das TV gedrehte Thriller wurde teilweise in Zug gedreht.

Peter Reichenbachs Name wird bald wieder auf einem neuen Film auftauchen. «Recycling Lily» von Regisseur Pierre Monnard wird bald in die Kinos kommen. C-Films produziert aber derweil auch einen neuen Tatort-Krimi mit dem Namen «Väterpflichten». In einem früheren Produktionsstadium befindet sich der Streifen «Schellen-Ursli». Regisseur soll Xavier Koller sein. Mit ihm hat Reichenbach schon bei «Havarie» zusammengearbeitet. Gegenwärtig ist C-Films auch daran, den Bestseller von Martin Suter «Der Koch» fürs Kino aufzuarbeiten.

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