Ehemals verhüllte Wandmalerei steht im Rampenlicht

Kunst & Baukultur, Brauchtum & Geschichte

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Ein Künstlerteam inszeniert in der Bruder Klaus Kirche eine multimediale Show und rückt damit den «Bilderstreit» in Oberwil in den Fokus.

  • Die Multimediashow aus Bild, Ton und Geschichte füllt die ganze Kirche Bruder Klaus. (Bild PD)
    Die Multimediashow aus Bild, Ton und Geschichte füllt die ganze Kirche Bruder Klaus. (Bild PD)

Oberwil b. Zug – Was einst vorsätzlich verhüllt wurde, soll nun zum Mittelpunkt einer Multimediainszenierung werden: die Wandmalereien in der Kirche Bruder Klaus in Oberwil. Unter dem Titel «Verhüllt» hätte eigentlich bereits letztes Jahr die gut einstündige Show stattfinden sollen, welche die Geschichte von der Entstehung der Kirche bis hin zur grossen Skepsis gegenüber den Wandmalereien von Ferdinand Gehr (1896–1996). Die Coronamassnahmen haben den Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Nun ein Jahr später wagt das interdisziplinäre Künstlerteam von der IG Kulturspot einen neuen Versuch. Das Team steht unter der Leitung von Daniel Christen und Michael van Orsouw. «Die Absage letztes Jahr war schwierig. Für die Aufführungen in diesem Jahr galt es den Enthusiasmus zu behalten und die Verschiebung finanziell zu stemmen. Beides ist gelungen», erklärt Patrice Riedo, Präsident des Kirchenrats der Stadt Zug, an einer Medienpräsentation vom Freitag. Er bringt seine Begeisterung über die Umsetzung zum Ausdruck und erzählt, dass bereits viele Oberwilerinnen und Oberwiler ihn auf das Projekt angesprochen hätten. Viele hätten Erinnerungen an diesen «Bilderstreit», etwa dass die eigenen Eltern sich deswegen in Diskussionen verzettelt hätten.

Moderne Inszenierung löste Sturm der Entrüstung aus

Doch worum drehte sich denn dieser «Bilderstreit»? Die Kirche Bruder Klaus in Oberwil sollte an den Wänden bemalt werden. Ausgesucht wurde dafür der bekannter Schweizer Kirchenmaler Ferdinand Gehr. «Er arbeitete hart an einigen Entwürfen, die vom Kirchenrat genehmigt wurden», erzählt Daniel Christen, Initiant des Projekts. Doch als das erste Gemälde fertiggestellt war, zeigten sich viele entrüstet über die moderne Inszenierung.

Gehr war streng gläubig und hielt sich an die biblischen Geschichten, doch die Formen und Farben gestaltete er modern. «Gewisse sahen das als Kindergartenmalerei», beschreibt Christen. Man störte sich so sehr an den Gemälden, dass man in einer Abstimmung zwar beschloss, der Künstler solle fertig malen – vor allem weil man die Konventionalstrafe nicht zahlen wollte – man die Gemälde danach aber mit Vorhängen verhüllen würde. Christen sagt dazu: «Grundsätzlich sind das Themen, die heute noch aktuell sind. Es geht um die Frage: Wie gehen wir mit Neuem, mit Veränderung um?»

Orgel und Weingläser kommen zum Einsatz

Der Zwist, aber auch die Entstehung an sich werden vom Künstlerteam nun neu interpretiert. Luigi Laveglia, Komponist und musikalischer Leiter, betont: «Die Musik, das Visuelle, aber auch der Inhalt wurden spezifisch ausgewählt und aufeinander abgestimmt. Manchmal hat das Ganze mehr die Note eines Konzerts, manchmal dient die musikalische Untermalung nur der Akzentuierung.» So werden zwar durchaus Instrumente zum Einsatz kommen, man bedient sich aber ebenfalls der Elektronik und sogar Weingläser werden zum Klingen gebracht. In der Kirche nicht fehlen darf natürlich auch die Orgel nicht.

An der Medienpräsentation zeigt das Projektteam einige Beispiele von Bild- und Tonkomponenten. Mit mehreren Beamern werden unterschiedliche Sujets wie langsam flackernde Kerzen bis hin zu wild drehenden Mustern auf die Wände der Kirche projiziert. Martin Riesen ist Vertreter des Kreativteams und erklärt in der Kirche: «Die ganzen Projektionen auf die Kirche anzupassen, gibt noch eine Menge Arbeit.» Dafür sei die Akustik berauschend, schwärmt der musikalische Leiter. Ein Ensemble der Musikschule Zug wird gemeinsam mit Laveglia auftreten.

Daniel Christen ist überzeugt eine gute Lösung gefunden zu haben: «Wir haben alles sehr sorgfältig geplant und verweben die verschiedenen Elemente von Bild, Ton und Geschichte.» (Vanessa Varisco)

Hinweis
Aufführungen finden vom 11. bis zum 14. November statt. Am 11. November gibt es eine Show um 20 Uhr, an allen anderen Daten jeweils um 18 und 20 Uhr. Bei allen Aufführungen gilt Zertifikatspflicht. Tickets (Kinder: 14 Franken, Erwachsene: 28 oder 18 Franken, Familien: 80 Franken) gibt es im Vorverkauf: www.verhuellt.ch.