Wenn «Unsinn» zelebriert wird

Kunst & Baukultur, Literatur & Gesellschaft

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Eine Dadaistische Soirée mit Maria Greco lässt längst vergangene unsinnige Zeiten wieder aufleben.

Baar – Am Freitag, 31. Mai, lud die bekannte Zuger Schriftstellerin Maria Greco zu einer Dadaistischen Soirée mit Severin Hofer und Eddie Feldmann nach Baar ein. In Anlehnung an die dadaistischen Abende im Cabaret Voltaire vor 100 Jahren, liess sie mit mehreren Künstlern «Unsinn» zelebrieren, mit dem man Alltägliches zur Kunst erhebt. Es geht darum Regeln zu brechen und sich gegen Althergebrachtes aufzulehnen. Die Besucher merkten jedoch sehr schnell, dass dieser dadaistische Unsinn gespickt war mit Anspielungen und Kritik an die heutige Oberflächlichkeit. Aber auch Kritik an die Politik schimmerte mehr als dezent durch.

Dada lebt auch heute noch von seiner dubiosen Undurchschaubarkeit: Er möchte erlebt und nicht erklärt werden. Dies zeigte sich nicht zuletzt an den Texten von Friedrich Achleitner, welche Maria Greco vorlas. Man kann ruhig behaupten, dass die Dada-Soirée als Vorläufer des Happenings gelten kann und dass Lesungen je länger je mehr performativen Charakter haben. Und da Maria Greco als Mitglied des Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellervereins (ISSV) diese Soirée organisierte, ist es absolut gerechtfertigt, von einem literarischen Anlass zu reden.

Wenn scheinbar Sinnloses plötzlich Sinn macht

Die Besucher amüsierten sich rund zwei Stunden köstlich über literarischen Unsinn und merkten rasch, dass man Sprache nicht immer allzu ernst nehmen sollte und dass scheinbar Sinnloses sehr schnell einen Sinn haben kann und, wenn man sich darauf einlässt, sogar einen aktuellen. Die damals extrem revolutionäre Haltung der neuartigen internationalen Dada-Bewegung, die konventionelle Einstellungen durch Schock und Provokation zu eliminieren suchte, ist heute natürlich nicht mehr so eindrücklich. Wenn man sich jedoch plötzlich klar wird, dass wir in ähnlich unruhigen Zeiten leben wie vor 100 Jahren, fühlt man sich sehr schnell Dada. Literatur ist oft mehr als nur Geschriebenes!

Für den ISSV: Michel Ebinger