Ein Haus und sein Schmuckstück

Kunst & Design

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Inmitten der wenig aufregenden Quartiere entlang der Industriestrasse bemüht sich ein Kunstwerk um eine punktuelle Verschönerung.

Zug – Die Industriestrasse tut sich nicht gerade als Prachtboulevard hervor. Auch als Flaniermeile würde man den Strassenzug nicht gerade bezeichnen. Zu gesichtslos ist hier das Stadtbild, welches im unteren Abschnitt vornehmlich von äusserlich wenig attraktiven Wohnbauten geprägt ist. Auch die Hausnummer 31, ein grauer zweckmässiger Wohnblock aus den frühen 1960er-Jahren, macht da keine Ausnahme.

Aber: Als hätte sich das Gebäude aus seiner Unscheinbarkeit retten wollen, prangt an seiner nördlichen Seitenfassade ein schimmerndes Objekt. Man könnte meinen, das Haus hätte sich ein Schmuckstück angesteckt, einen schicken Ohrclip oder eine Brosche. Kennt man den breiten Künstlerreigen ein wenig, der sich in den letzten Jahrzehnten in Zug mit Kunstwerken im öffentlichen Raum verewigt hat, so vermutet man gleich, um welchen Künstler es sich bei besagtem Objekt am Haus Industriestrasse 31 handelt. Das helle, polierte Stahlblech ist geschmeidig und gleichmässig gekrümmt – allein mit diesen Eigenschaften reiht es sich offensichtlich in eine Gruppe von mehreren Skulpturen im öffentlichen Raum des Kantons Zug ein, die allesamt von ein und demselben Künstler geschaffen worden sind, namentlich von Josef Staub (1931–2006).

Eine stilisierte Feder

Die formschönen, formal sehr bewegten Stahlskulpturen des Baarer Eisenplastikers zeichnen sich in erster Linie durch ihre schiere Leichtigkeit aus – trotz des an sich gewichtigen Materials, aus dem sie mit aufwendiger Arbeit gefertigt sind. Nicht anders verhält es sich beim namenlosen, 1997 geschaffenen Objekt am Haus an der Industriestrasse: Mit drei Metern ist es etwas höher als ein durchschnittlicher Wohnraum, und doch scheint es wie ein schmückendes, zartes Kleinod an der Aussenwand zu haften.

Es sind vier konisch geformte, längliche Metallbahnen, die so übereinandergelegt sind, dass sie den Anschein machen, eine stilisierte Feder zu sein. Das in Privatbesitz sich befindende, namenlose Kunstwerk Josef Staubs durchbricht die strenge Geometrie des Gebäudes, an dem es montiert ist, für einen kurzen Moment. (Andreas Faessler)

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.