Improvisation ist Trumpf

Bühne

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Zum zehnten Mal war die Industrie 45 in Zug Gastgeberin eines Theatersportwettkampfs. Der Kreativität wurde freier Lauf gelassen, was teils für skurrile Situationen sorgte.

  • Zwei Mitglieder der Gruppe Hotel 99 bei ihrem Einsatz. (Bild Werner Schelbert)
    Zwei Mitglieder der Gruppe Hotel 99 bei ihrem Einsatz. (Bild Werner Schelbert)

Zug – Eine Forschungsreise am Aletschgletscher und Sandbuddeln in den Strandferien – normalerweise werden diese zwei Tätigkeiten kaum zusammen in einem Atemzug genannt. Die Schauspieler der Zuger Improtheatergruppe Hotel 99 haben sich mit diesen Situationen am vergangenen Mittwoch auf der Bühne in der Industrie 45 innerhalb von nicht einmal 15 Minuten konfrontiert gesehen. Das skurrile Element macht den Sport in seiner Essenz aus.

Theatersport dürfte nicht jedem geläufig sein, lässt sich jedoch simpel umschreiben. Improvisiertes Theater ist Bühnenkunst ohne Drehbuch mit grossem Unterhaltungswert. Auch die Livemusik und die Lichttechnik spielen eine entscheidende Rolle, da sie Szenen und Gemüt der Spielenden beeinflussen. Einmal im Monat veranstaltet Hotel 99 in der Industrie 45 einen Improsportwettkampf.

Das spielerische Element zieht sich am Mittwoch durch den ganzen Abend und beginnt bereits beim Eintrittskauf. Der Preis wird via Würfeln ermittelt. Unter frenetischem Applaus betreten Daniela Landert, Ismeta Curkic, Mathias Zocher, Viola Lutz und Walter «Willy» Willimann von Hotel 99 die Bühne. Sie bilden zwei Gruppen, in denen sie abwechslungsweise Szenen spielen werden. Es folgt ein körperliches und geistiges Einwärmen: Das Publikum kann mit Vorschlägen direkt Einfluss auf die von den Gruppen gespielten Situationen nehmen.

In einem neuen Format namens Zimmerstunde richtet das Publikum in einem ersten Schritt das Zimmer mit Details ein – ein Chalet mit Sicht auf die Gletscher, eine Teufelsbibel auf dem Nachttisch, ein Doppelbett mit Blümchenbettwäsche. Dann spielen sich verschiedene Situationen mit unterschiedlichen Konstellationen der Charaktere im Zimmer ab. Ismeta Curkic meint nach der Aufführung: «Wir sind mit dem Format zufrieden, es gibt uns dank der Beständigkeit des Raums die Möglichkeit, auch mal ernstere Szenen zu kreieren.»

Nach einer kurzen Pause geht es mit der klassischen Theatersport-Sparte weiter. Kurz, knackig – Lacher garantiert. So wird mit viel Mimik eine Einwortgeschichte mit einem Frosch und einem Bagger in den Hauptrollen aufgeführt, ein Gefühlsquadrat erstellt, wo die Stimmung in wirren Abständen von Bedauern zu Ekstase oder Zweifel wechselt. Oder es wird eine Situation gespielt, die ständig durch intensiven Augenkontakt unterbrochen wird. Die Spielregeln ändern sich oft, wobei das Spiel mit Sprache und die Ausdrucksweise ständig präsent sind und für einige Lacher sorgen.

Ungezwungene, natürliche Stimmung

Walter Willimann vom Hotel 99 erklärt den Reiz des Improtheaters: «Es geht weder um Originalität noch darum, lustig zu sein. Man stellt sich in den Dienst des Teams, in dem man völlig spontan die momentane Situation annimmt.» Urs Brugger hat bereits einige Theatersport-Shows besucht und zeigt sich auch dieses Mal begeistert: «Die Stimmung ist ungezwungen, natürlich und angenehm. Da fühlt man sich einfach wohl.» (Nils Rogenmoser)