Berührend, aber nicht rührend

Musik

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Wenn jemand das etwas angestaubte Prädikat «Liedermacher» verdient, dann zweifelsohne Konstantin Wecker. Dieser trat im Rahmen seines Programms gestern Abend im Theater Casino Zug auf.

  • Konstantin Wecker auf der Bühne im Theater Casino Zug. (Bild Stefan Kaiser)
    Konstantin Wecker auf der Bühne im Theater Casino Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Zug – Mit leidenschaftlicher Stimme singt Konstantin Wecker seit Jahrzehnten für eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt. Der Sänger, Liedermacher und Autor sieht sich selber als «Mönch und Krieger» – so lautet einer seiner Buchtitel. Wie man Krieger sein kann, demonstrierte der Sänger gleich zu Beginn des Konzertes im Theater Casino Zug: «Mit Poesie», stellte er gleich klar. Wecker ist der felsenfesten Überzeugung, dass nur Worte etwas bewegen können.

Dieses Konzept der sanften Revolution hatten schon andere (erfolglos) in den letzten Dekaden – eine Joan Baez beispielsweise. Nur haben Künstler wie Wecker heute andere Möglichkeiten als seinerzeit eine Joan Baez, ihre «Worte» zu distri­buieren. Facebook und Co. helfen dabei tatkräftig. Der Saal war halb gefüllt, die Ticketpreise richteten sich nicht gerade an eine «junge» Generation. Konstantin Wecker oder überhaupt der Begriff «Liedermacher» scheinen nichts mehr für die unter 30-Jährigen zu sein. Das war schade für die Message von Wecker und seinen Musikern. Aber seine Texte wirkten auch auf das eher spärlich erschienene Publikum wie seit eh und je.

Durch und durch glaubwürdig

Selbstverständlich setzte Wecker auf sehr deutsche Themen wie «Chemnitz» und «Bayern» – die Expats freuten sich. Die Schweizer mussten sich vielleicht hier und da fragen, inwiefern die Nachrichtensendungen der letzten Monate noch irgendwo nachhallten – «Da war doch was…».Der eine oder andere Zuhörer dürfte sich gewundert haben, warum Wecker sein Programm nicht ein bisschen helvetischer gestaltet hatte. Dennoch hat seine Show funktionierte. Der Liedermacher wirkte auf der Bühne im Theater Casino intim, echt und ehrlich, aber niemals verletzlich. Und das Wichtigste: durch und durch glaubwürdig.

Würde man nach dem Wecker-Song fragen – eine Entscheidung wäre schwierig. Denn der Künstler ist nicht jemand, der im Radio in irgendwelchen «Hot-Rotations» gespielt wird und «Plastikmusik» für den Massengeschmack produziert. Konstantin Wecker ist feiner und will gehört werden: nicht um des Ruhmes Willen, sondern aufgrund seiner Message.

Er macht das ehrlich, authentisch und schnörkellos. Und selbst wenn seine Stimme dereinst einmal brüchig werden sollte, dann durfte das auch so sein. Die Worte sind in einer Melodie verpackt, transportieren aber primär einen Inhalt. Dadurch schien die «Hülle» der Texte an manchen Stellen rudimentär. Wobei: Seine Weggefährten vom Konstantin Wecker Trio wären musikalisch absolut in der Lage gewesen, grosses Pop-Kino zu schreiben: Neben seinem langjährigen Bühnenpartner und Alter Ego am Klavier, Jo Barnikel, steht auch Fany Kammerlander seit längerem mit Konstantin Wecker auf der Bühne. Die Ausnahme-Cellistin, die mit ihrem Spiel sowohl in der Klassik als auch in der Popwelt zu Hause ist, steuert mit ihrem Instrument diesen ganz besonderen Klang bei, der Weckers Liedern seit jeher ihre ganz persönliche Note gab.

Berührend und aufwühlend

Konstantin Wecker scheint es nicht mehr so wichtig zu sein, Lieder zu komponieren, die den Massengeschmack treffen – was schade ist. Vielleicht aber ist die «Masse» einfach nicht mehr bereit für die Lieder von Wecker. Das wiederum steht in einem anderen Buch geschrieben: eines, das Wecker vielleicht noch schreiben wird.

Die Poesie, das Wesen eines Konstantin Wecker, die feinen Zwischentöne und das dezente Setting: Ist das alles überhaupt noch zeitgemäss? Ja, wenn man hinhört. Ja, wenn man reflektiert. Und ja, wenn man vielleicht die einzigartige Lebensgeschichte dieses Musikers kennt. Denn Wecker hat das, was man heute «Street Credibility» nennt. Und diese begeisterte auf jeden Fall! (Haymo Empl)