Der grosse Auftritt rückt näher

Bühne

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Rock-Folk und lyrische Balladen: Bei einer Probe für das neue Bühnenstück «The Secret Garden» überzeugte die English Theatre Group mit ihren gesanglichen Qualitäten.

  • Die Darsteller, hier an der Probe vom vergangenen Sonntag, geben vollen Einsatz. (Bild Christian H. Hildebrand)
    Die Darsteller, hier an der Probe vom vergangenen Sonntag, geben vollen Einsatz. (Bild Christian H. Hildebrand)

Unterägeri – Ein Mädchen namens Mary Lennox wacht eines Morgens in Britisch-Indien auf und muss feststellen, dass all ihre Verwandten an einem Cholera-Ausbruch verstorben sind. Völlig verwaist wird sie nach Yorkshire geschickt, wo sich Archibald Craven, der Witwer ihrer Tante, um sie kümmern soll. Mary blüht regelrecht auf, als sie auf dem Grundstück von dessen Herrenhaus einen Irrgarten entdeckt, der ebenso verlassen ist wie sie selbst.

Das märchenhafte Theater «The Secret Garden» ist ein Klassiker und basiert auf einer Novelle von Frances Hodgson Burnett. Zur «kleinen Probe» des Bühnenstücks kam vergangene Woche ein fünfköpfiges Schauspielerensemble der English Theatre Group mit den Regisseuren Hanns und Cari Zöllner zusammen. Gemeinsam mit dem musikalischen Direktor Andrew Dunscombe setzten sie mit viel Herzblut ihr schauspielerisches und gesangliches Talent in Szene.

Positiver Einfluss der Yorkshire-Unterschicht

Gleich zu Beginn der Probe entfesseln die verstorbene Tante Lily Craven (gesungen von Nicola Fielder), Archibald Craven (Daniel Steiner), Rose (Myrtha Schuler) und Neville Craven (Mike Zürcher) im Quartett eine stimmungsstarke Ballade, komponiert von Lucy Simon. Schicksalshaft, unheimlich, aber auch sonderbar schön rieseln die Pianoklänge und gesanglichen Elemente auf einen herab. Vor dem geistigen Auge des Zuhörers erscheint das umspukte Landgut, «The House upon the Hill», dem Mary sich nähert.

Immer neue Lieder auf Englisch folgen. «Charakteristisch für die lüpfigen Lieder der Yorkshire-Unterschicht ist der Hang zu Rock und Folk», sagt Dirigent Dunscombe. Das lebensfrohe Naturell dieser Klasse kommt auch im charakteristischen Yorkshire-Sing-Sang-Dialekt zum Ausdruck. Im Laufe des Stückes entfalten die Hausangestellten einen positiven Einfluss auf Mary, die der Oberschicht angehört. Die Lieder der «Posh-People» sind lyrischer, oft dramatischer und wirken etwas entfremdet von der Welt. «Vielleicht liessen die Macher des Stücks damit etwas Sozialkritik durchschimmern», sagt Hanns Zöllner.

Bei den grossen Proben trifft die Gruppe in der Pfarrkirche Unterägeri auf die anderen 30 Schauspieler und ein Orchester unter der Leitung von Dunscombe. «Die Kirche eignet sich ideal als Kulisse für ‹The Secret Garden›», sagt Myrtha Schuler. Wenn etwa der ans Bett gefesselte Collin in der Nacht weint, oder die «Dreamers», also die Geister aus dem Jenseits, mit den Sterblichen kommunizieren, dann entfalte das Hallen ihrer Stimmen in der Kirche eine besondere Stimmung. Wenn sie die packenden Balladen hört, bekomme sie jedes Mal Gänsehaut, so Schuler.

Da das Stück konzertant mit nur wenig Dialog aufgeführt wird, führt ein Erzähler (Matthias Buzzi) auf Deutsch durch die Geschichte. Zusätzliche Inspiration holte sich die Gruppe vom Zuger Künstler Martin Rieser, der mit Videoprojektionen an den Wänden der Pfarrkirche der Kulisse Tiefe verleihen wird. «Die Leute sollten kommen und ‹The Secret Garden› sehen, denn es ist eine grossartige Story, die viele Leute kennen», sagt Matilda Curry, die abwechselnd mit Milly Bevan die Hauptrolle der Mary spielt. (Christian Tschümperlin)