Das Anderssein zum Vorteil machen

Literatur

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Tom Künzler hat mit «Rocky Rock sucht den Tag» bereits sein zweites Kinderbuch auf den Markt gebracht. Inspiriert wurde der gelernte Grafiker von seinem Sohn, der mit Trisomie 21 zur Welt kam.

  • Tom Künzler, umringt von den Protagonisten seines neusten Werks. (Bild PD)
    Tom Künzler, umringt von den Protagonisten seines neusten Werks. (Bild PD)

Zug – Tagsüber ist es finster und nachts noch viel dunkler: So sieht die Welt im Kinderbuch «Rocky Rock sucht den Tag» aus. Die kleine Rakete möchte das nicht mehr einfach so hinnehmen. Sie weiss: Vor langer Zeit einmal war es hell. «Wenn schon die Nacht so schön ist», denkt sie sich, «wie schön erst muss dann der Tag gewesen sein.» Mutig macht sich die Rakete auf die Suche nach der Sonne. Dabei trifft sie auf viele ihr fremde Wesen. «Rocky Rock geht ohne Vorurteile in die ihr fremde Welt. Trotzdem sind die Treffen mit den Unbekannten anfänglich distanziert», erklärt Tom Künzler, aus dessen Feder das Buch stammt.

Die Wesen haben spezielle Fähigkeiten. Die Blubbidus etwa können lesen, die Garrigas hören besonders gut, die Schwipsis können hoch springen. «Nur gemeinsam lösen sie das Rätsel um die verschwundene Sonne», verrät Künzler und ergänzt: «Es braucht eben jeden Einzelnen davon.» Bei den Figuren gehe es nicht um ihre Defizite, sondern um die speziellen Fähigkeiten. Damit beschreibt Tom Künzler, der in Zug aufgewachsen ist und mit seiner Frau und zwei Kindern in Mettmenstetten wohnt, den tieferen Sinn seines Kinderbuchs. Es geht um Toleranz, Inklusion und Anderssein. Inspiration für die Geschichte ist sein Sohn. Der Achtjährige kam mit Trisomie 21 zur Welt – und stellte im Leben von Künzler einiges auf den Kopf. Der gelernte Grafiker wechselte in den Sozialbereich und arbeitet heute kreativ mit Menschen mit einer Beeinträchtigung. «Nach 20 Jahren in der Werbung wollte ich etwas ‹Gescheites› machen», erklärt er. In diesem Rahmen ist auch sein erstes Kinderbuch «Was macht eigentlich die Sonne, wenn sie schläft?» entstanden. «Ich habe mich von den Ideen der Menschen, mit denen ich zusammenarbeitete, leiten lassen», sagt der 44-Jährige. Bald habe er eine weitere Erzählung im Kopf gehabt. Rocky Rock kam aufs Papier.

Mit dem iPad gezeichnet

Die Illustrationen im Buch sind digital per iPad mit Hilfe einer App entstanden. «Das Zeichnen mit einem Stift auf dem Tablet habe ich vor vielen Jahren gelernt», so Künzler, der auch als freischaffender Künstler tätig ist und Aquarellbilder sowie zweieinhalb-dimensionale Collagenbilder regelmässig ausstellt. Der Zufall wollte es, dass er auf seine alte Fähigkeit zurückgriff: «Ich musste den Fuss operieren lassen und verbrachte drei Monate auf dem Sofa.» Entstanden ist das Produkt schliesslich im deutschen Verlag «Das bunte Zebra». Der Verleger ist ebenfalls Vater eines Sohnes mit Trisomie 21. «Der Verlag teilt meine Ansichten, Wünsche und Ideologien.»

Das Abenteuer der Rakete Rocky Rock soll nicht das letzte Werk Tom Künzlers gewesen sein. «Ich mache weiter», sagt er. Ob er eine weitere Episode rund um die kleine Rakete entwirft oder sich einem Projekt explizit für Menschen mit Beeinträchtigungen widmet, weiss er noch nicht. Eines aber ist sicher: «Ich möchte meinen Beitrag zur Inklusion leisten. Jeder ist ein fester, freier und wertvoller Bestandteil unserer Gesellschaft.» Viel habe sich in diesem Bereich in den letzten Jahren bewegt, einiges aber müsse noch gemacht werden. «Bei Kindern allerdings ist die gesellschaftliche Barriere oft noch nicht da.» «Rocky Rock sucht den Tag» soll deshalb in erster Linie einfach ein Kinderbuch sein. «Ein Buch, das Kinder gerne anschauen wollen, das ihnen gefällt.» (Carmen Rogenmoser)

Hinweis
Am 9. Februar findet in der Buchhandlung Scheidegger in Affoltern am Albis um 16 Uhr eine Kinderbuch-Lesung statt. Das Buch kann über den Verlag bezogen werden: www.das-bunte-zebra.net