Die Microsoft-Schrift aus Zug

Kunst & Design

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Walter Haettenschweilers Name ist bei Computerusern weltbekannt. Seine eigens kreierte Schrift hat Bill Gates ins Computersystem eingespeist ungefragt.

  • Walter Haettenschweilers Schrift ist in den 50er-Jahren entstanden. Heute kennt sie weltweit praktisch jeder Computerbenutzer. (Bild Stefan Kaiser)
    Walter Haettenschweilers Schrift ist in den 50er-Jahren entstanden. Heute kennt sie weltweit praktisch jeder Computerbenutzer. (Bild Stefan Kaiser)

Zug – Mitten in Zug wirkt Walter Friedrich Haettenschweiler, Grafiker, Schriftentwerfer, Kunstmaler, Plastiker, Verleger, mittlerweile 81 Jahre alt und immer noch befasst mit dem Entwerfen von Schriftzügen oder Logos. Mitten auf ihrem PC sehen viele Menschen weltweit und natürlich auch in Zug täglich die schnörkellos klare Microsoft-Systemschrift und wissen gar nicht, dass diese von Walter Haettenschweiler ist, entworfen ursprünglich 1954. Eine Titelsatzschrift, über die ihr Kreateur sagt: «Diese Schrift ist absolut zeitlos.» Die Haettenschweiler’sche Titelsatzschrift, entstanden in den Fünfzigern als «schmalfette Grotesk» und heute berühmt als Microsoft-Systemschrift oder «Haettenschweiler 1995/2007», zeichnet sich durch ihre Schlitze und Haarabstände aus. «Mit den Abständen habe ich es bei dieser Schrift natürlich auf die Spitze getrieben», lacht der Designer. Zudem freut ihn die Tatsache, dass die Schrift, welche PC-Nutzer rund um den Globus jederzeit vor Augen haben, wenigstens seinen Namen trägt. Denn einen Profit konnte der bekannte Zuger Grafiker nie aus der Tatsache schlagen, dass «Bill Gates von Microsoft auf einmal 45 Millionen PC mit meiner Titelsatzschrift ausgestattet hat, ohne Anfrage...» Aber man lerne damit zu leben, «rechtlich war da nichts zu machen, nach 50 Jahren läuft das Copyright ab».

 

Bereits in den 60er-Jahren setzte die Zeitschrift «twen» die schmalfette Grotesk als Titelschrift ein ausser der Ehre hatte Walter Haettenschweiler nichts davon. Die deutsche Zeitschrift beschreibt der Grafiker als «sensationell, in der Aufmachung, der Typografie – mit Fotos, die über zwei Seiten gingen». Und auch «Paris Match» hat «sofort die ausserordentliche Qualität der Schrift erkannt», wie es im Vorwort des Büchleins «Schrift & Logo» heisst, das 2006 zum 50-jährigen Bestehen von Walter Haettenschweilers Zuger Atelier herausgegeben wurde. Im «Studio für Werbung und Design» an der Schanz 2 gingen bei Walter Haettenschweiler unter vielen anderen drei seiner vier Kinder in die Lehre.

Beim Gespräch mit unserer Zeitung vor genau einer Woche sitzt der berühmte Grafiker ganz entspannt in diesem Atelier und sagt: «Ich geniesse die Seesicht, ich brauche das Wasser.» Sein Bürgerort sei Romanshorn, als Kind habe er oft seine Ferien am Bodensee verbracht und den Eindruck gehabt, «am Meer zu sein». Dann meint der 1933 in Zug geborene und aufgewachsene Grafiker und Künstler: «Ich bin kein Weltenbummler, aber ich habe die Augen offen für Neues man muss gwundrig sein.» Man fragt ihn nach seinem Werdegang, und er erzählt, in jungen Jahren zunächst die Zürcher Schule für Gestaltung besucht zu haben, um dann für ein knappes Jahr bei Kaffee Haag in Feldmeilen zu arbeiten – «als unterbeschäftigter Grafiker». Nichts für Walter Haettenschweiler. «Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und arbeitete fortan nur noch selbstständig.»

Tausende von Stunden habe er damit verbracht, mit Pinsel und schwarzer Farbe Schriften oder Logos zu entwerfen. «Ein Buchstabe war beim Entwerfen erst mal zehn bis fünfzehn Zentimeter hoch.» Aber: «Ich liebe das Handwerk», sagt der 81-Jährige. Und bezogen auf unsere hochtechnisierte Zeit: «Nur noch Knöpfe und Daten, das ist für mich nicht zum Aushalten.» Der Grafiker erinnert sich daran, seine Arbeit einst in einem Raum mit «Bett, Couch, Reissbrett, Pinsel und Tusche» gestartet zu haben. Und schnörkellos bescheiden findet Walter Haettenschweiler: «Die schmalfette Grotesk ist im Grunde genommen keine Weltenerfindung, aber sie ist erwünscht und elegant und hat eine gewisse dekorative Ausstrahlung.» (Susanne Holz)

Hinweis
Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.