Hier fliegen die Wortfetzen

Bühne

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Die Premiere ist geglückt: Vor vollen Zuschauerrängen führte die Theatergruppe Loreto am Mittwochabend das Stück «Ein ungleiches Paar» auf. Dabei flogen nebst flotten Sprüchen auch mal die Tassen.

  • Das Theaterensemble Loreto hat sich für seine erste Produktion das Stück «Ein ungleiches Paar» ausgesucht. (Bild Maria Schmid)
    Das Theaterensemble Loreto hat sich für seine erste Produktion das Stück «Ein ungleiches Paar» ausgesucht. (Bild Maria Schmid)

Zug – Tumultuös, temperamentvoll und kontrovers geht es in Olives Appartement an der New Yorker Riverside, zwischen der 80. und 90. Strasse, zu und her. Mit «Ein ungleiches Paar» inszeniert das Theaterensemble Loreto die Geschichte von zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist Olive, gespielt von Nartano Kottmann aus Baar, die spontane Sportjournalistin. Sie hat in einer heissen Sommernacht ihre fünf Freundinnen zu Gast. Gemeinsam spielen sie Trivial Persuit, ein Brettspiel, bei dem es darauf ankommt, durch das korrekte Beantworten von Fragen seinen Spielstein als Erster mit allen sechs «Tortenstücken» zu füllen. Bücher liegen kreuz und quer auf dem Boden. Schals und alte Zeitungen stapeln sich auf dem Sofa. Chips liegen auf dem Tisch herum. Und da ist Florence, gespielt von Regula Ernst aus Hünenberg, penibel und mit einem Putzfimmel. Sie wurde gerade von ihrem Freund verlassen und darf deshalb bei Olive einziehen. Man ahnt, dass dies nicht gut gehen kann.

Mit «Ein ungleiches Paar» realisiert der Theaterkurs Loreto seine erste Theaterproduktion. Das neunköpfige Ensemble hat vor elf Monaten zusammengefunden. «Alle Darsteller sind blutige Anfänger. Ich staune, was möglich geworden ist», sagt Kursleiter Marius Leutenegger, der später im Stück einen Spanier mimen wird. Micky, gespielt von Regula Peterhans aus Cham, packte kurz vor der Premiere das Kribbeln im Bauch. Sie trägt eine amerikanische Polizeiuniform, die sie im Internet gefunden hat. «Die grösste Herausforderung ist zu wissen, wann dein Einsatz kommt», sagt sie. Für ihr Debüt hat sich die Theatergruppe einer Komödie angenommen. «Das ist zum Zuschauen nicht anspruchsvoll, aber zum Spielen», sagt Leutenegger. Denn bei Komödien sei die Absturzgefahr extrem gross. «Das Timing ist entscheidend bei einem Witz», sagt er. Nicht das Was, das Wie entscheide.

Doch die Premiere reüssiert vor dem Publikum. Immer wieder führen komische Situationen zu Gelächter. Da ist etwa Florence, die gerade Olives Telefon reinigen will. «Finger weg von meinem Telefon, da sind meine liebsten Fingerabdrücke drauf», interveniert Olive.

Aus der Feder eines Broadway-Autors

Neben flotten Sprüchen fliegen in dem Stück auch die Tassen. Der rappelvolle Saal quittiert die Vorführung am Ende mit viel Applaus, am anschliessenden Apéro herrscht ausgelassene Stimmung.

Beim Stück handelt es sich um die weibliche Version des Originalstücks «Ein seltsames Paar» des soeben verstorbenen Broadway-Autors Neil Simon. «Es war wahnsinnig schwierig, das richtige Stück zu finden», sagt Leuten-egger. Die Art und die Anzahl der Rollen müssen passen, wie auch der Inhalt. Und wie hat es Leuten­egger fertiggebracht, mit blutigen Anfängerinnen so schnell eine erfolgreiche Aufführung auf die Bühne zu bringen? «Da steckt sehr viel Arbeit und Erfahrung dahinter», sagt er. Leutenegger macht seit vierzig Jahren Theater, führt drei Ensembles in Winterthur, Zug und Zürich und konnte aus seinem reichen Fundus schöpfen. Doch er führt nie dasselbe Stück zweimal auf. «Dafür ist das Leben zu kurz», sagt er. (Christian Tschümperlin)

Hinweis

Weitere Aufführungen folgen in der Freizeitanlage Loreto/Volkshochschule Zug am 5. Oktober, 20 Uhr (nur noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich), 6.Oktober, 14 Uhr, 6. Oktober, 20 Uhr, und 7. Oktober, 18 Uhr.