Von chinesischen Megastädten und falschen Kunstkritikern

Kunst & Design

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In Zusammenarbeit mit der Werkschau «photoSchweiz» hängen in den Gubelhof Suites Bilderserien von elf Schweizer Fotografen. Stephan Bösch beispielsweise gibt der Kunstfigur Louis de Marsalle ein Gesicht, und Ferit Kuyas zeigt den Nebel von Chongqing.

  • Eine der Fotoserien in den Gubelhof Suites stammt von Stephan Bösch. (Bild PD)
    Eine der Fotoserien in den Gubelhof Suites stammt von Stephan Bösch. (Bild PD)

Zug – «Solange du da bist, wirst du die Sonne nicht sehen», so habe man es ihm gesagt, als er zum ersten Mal im Herbst die chinesische Megastadt Chongqing betreten hat, erinnert sich Ferit Kuyas (*1955). Er gehört zu den renommiertesten Schweizer Reisefotografen – seit über zwanzig Jahren fotografiert er weltweit Stadtlandschaften. «In einer Zeit, in der mehr als die Hälfte der Menschheit in dicht besiedelten – städtischen – Gebieten lebe, hat dieses Tun für mich immer mehr an Bedeutung gewonnen.» Seine Bilder, die nun eine Suite in den neu eröffneten Gubelhof Suites im Herzen von Zug zieren, entstanden in Chongqing in China und in Guatemala-Stadt. Die Bilder von Chongqing – die «Hauptstadt des Nebels» – zeigen auf den ersten Blick grösstenteils Nebel (echten, keinen Smog). Nur wer dann näher herantritt, sieht plötzlich immer schärfer die Silhouette der Stadt durch die weisse Suppe.

Die Bilder von Guatemala-Stadt nehmen sich dem Kontrast an. Das Bild über dem Bett zeigt beispielsweise den modernen Teil, das an der Türe hingegen einen der Hügel, auf dem die Armen wohnen.

Kultur für die Suiten

Dafür verantwortlich, dass, wer in den elf Business-Appartements übernachtet, Bilder von Schweizer Spitzenfotografen und Nachwuchstalenten erwerben kann, ist Bardhyl Coli. Der bekannte Hoteldirektor hat mit seiner Frau Maria im Untergeschoss des Gubelhofs ein Café eröffnet und in den oberen Stöcken mehrere grössere und kleinere Suiten realisiert. «Ich wollte etwas Besonderes, etwas Kulturelles in den Räumen», so Coli. Er nahm also Kontakt zu seinem Bekannten auf, dem geborenen Zuger Michel Pernet, der mit seiner Agentur Blofeld unter anderem die Werkschau «photoSchweiz» organisiert, und fragte ihn, ob er eine Idee habe.

Das Konzept «photoSchweiz@Gubelhof» entstand. Idee ist es, das wechselnde Fotografen die Räume als Ausstellungsfläche nutzen können und damit über ihre Bilder gleich auf Tuchfühlung zu potenziellen Käufern gehen. «Die Fotos sollen die Suiten beseelen und sie damit zu einem Museum auf Zeit werden lassen», so Pernet.

Museen auf Zeit

Ein weiterer Fotograf, dessen Bilder zu sehen sind, ist der St. Galler Stephan Bösch, geboren 1982. Während Kuyas sich fürs Urbane fasziniert, interessiert Bösch das Leben in den Bergen. Fürs Kirchner Museum in Davos hat Bösch der Kunstfigur Louis de Marsalle ein Gesicht gegeben. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte der Maler Ernst Ludwig Kirchner Texte, darunter auch Kritiken zu seinen eigenen Bildern. Auch schickte er seine Kunstfigur auf imaginäre Reisen nach Afrika, während er selbst ein zurückgezogenes Leben in den Bergen führte. Die Fotos von Böschs Serie, die in der Suite zu sehen sind, zeigen einen dunkelhäutigen Mann in immer anderen Situationen, einmal beispielsweise, wie er Kirchners Bilder im Museum betrachtet, wie er mit Notizbuch und Absinth eine Kritik verfasst oder bereit zur Abreise am Bahnhof Davos Platz steht.

Und auch Fotografen aus der Region präsentieren sich, etwa die Luzernerin Jacqueline Lipp. Ihre Fotos zeigen ein Modeshooting in den Strassen New Yorks. Sie hat sich damit einen Traum verwirklicht. (Christopher Gilb)