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20 Jahre Reggae aus Zug

Rising Fyah Sounds feiert in der Galvanik Jubiläum. Das Duo bleibt Reggae und Dancehall seit zwei Jahrzehnten treu.

Severin Fabris (rechts) und Sandro Schgör kennen sich, seit sie 16 Jahre alt sind. Bild: zvg
Severin Fabris (rechts) und Sandro Schgör kennen sich, seit sie 16 Jahre alt sind. Bild: zvg

Seit zwei Jahrzehnten stehen Severin Fabris (36) aus Zug und Sandro Schgör (36) aus Cham gemeinsam an den Plattenspielern. Am 3. Oktober feiert ihr Kollektiv Rising Fyah Sound sein 20-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsabend in der Galvanik. Für die beiden ist der Anlass weit mehr als eine Geburtstagsparty. «Eigentlich geht es uns darum, Reggae wieder einmal nach Zug zu bringen», sagt Fabris. «Wir möchten diese Musik mit den Menschen teilen und zeigen, dass es sie hier immer noch gibt.»

Kennengelernt haben sich die beiden als Teenager. Fabris organisierte damals bereits Veranstaltungen in der Industrie45 und begann, Schallplatten zu sammeln. «Eigentlich habe ich zuerst Events organisiert, bevor ich selbst aufgelegt habe», erzählt er. Schgör war regelmässig an Reggae-Partys unterwegs. «Ich wusste bereits, dass Sevi auflegt. Wir haben uns immer wieder an Veranstaltungen gesehen, bis er mich fragte, ob ich bei seinem Soundsystem mitmachen möchte.» Ein Soundsystem? Gemeint ist ein Kollektiv, das Musik auflegt, Partys organisiert und die Reggae- und Dancehall-Kultur weiterträgt. Aus der Begegnung wurde eine Freundschaft – und ein Duo, das die Zuger Reggae-Szene bis heute am Leben hält.

Der Name «Rising Fyah Sound» verweist auf die jamaikanische Kultur, in der Soundsystems seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle spielen. «‹Fyah› ist die jamaikanische Aussprache von ‹Fire›», erklärt Fabris. Feuer stehe für Energie und Ausdruck. Der Begriff «Sound» wiederum gehe auf die jamaikanischen Soundsysteme zurück, die früher mit Lautsprechern, Plattenspielern und DJs durch die Quartiere zogen.

Warum sie keine Kompromisse eingehen

Während viele DJs heute verschiedene Stilrichtungen miteinander vermischen, sind Fabris und Schgör ihrer musikalischen Linie treu geblieben. «Wir hätten natürlich auch einfach das spielen können, was gerade angesagt ist», sagt Schgör. «Aber wir wollten immer bei Reggae und Dancehall bleiben.» Zwar lassen heute bei einzelnen Auftritten auch Afrobeats die Boxen wummern, der Kern sei jedoch derselbe geblieben. «Es ist uns wichtig, dass die Leute wissen, wofür wir stehen. Wer zu uns kommt, soll genau das zu hören bekommen.»

Sich musikalisch treu zu bleiben, war jedoch nicht immer einfach. Die Reggae- und Dancehall-Szene sei in den vergangenen Jahren kleiner geworden. «Partys mit allein diesen Genres gibt es heute deutlich weniger», sagt Fabris. Schgör ergänzt: «Früher gab es viel mehr Subkulturen. Heute konzentrieren sich viele auf Musik für die breite Masse.» Trotzdem kam für die beiden nie infrage, sich dem Zeitgeist anzupassen. «Wir würden nie Songs auflegen, hinter denen wir nicht stehen können, nur weil sie gerade im Trend sind», sagt Schgör. «Wir machen das aus Leidenschaft», ergänzt Fabris. «Von Reggae leben können in Europa vielleicht ein oder zwei Soundsystems. Alle anderen machen das, weil sie diese Kultur lieben.»

Jamaika als prägendes Erlebnis

Ihre Leidenschaft führte das Duo auch über die Kantonsgrenzen hinaus. Was mit Partys in Zug begann, entwickelte sich zu Auftritten in der ganzen Schweiz und später im Ausland. Im vergangenen Jahr gewann Rising Fyah Sound den renommierten «Trouble Soundclash» in Stuttgart, nachdem das Duo bereits beim «Rumblemania Soundclash XXL» in Wuppertal den zweiten Platz erreicht hatte. «Wir mussten uns das alles Schritt für Schritt erarbeiten», sagt Fabris. «Deshalb bedeutet uns dieser Erfolg unglaublich viel.»

Besonders geprägt hat die beiden eine Reise nach Jamaika, ins Ursprungsland von Reggae und Dancehall. «Wir kannten die Kultur bis dahin nur von Partys, Videos und Erzählungen», erinnert sich Schgör. «Sie dann tatsächlich vor Ort zu erleben, war etwas völlig anderes.» Für Fabris war die Reise ein Schlüsselmoment: «Erst dort hatten wir diesen Aha-Moment. «Plötzlich haben wir verstanden, wie diese Musik Teil des Alltags ist», sagt Schgör. Mit diesem Verständnis kehrten sie in die Schweiz zurück. «Wir wollten dieses Gefühl mitnehmen und weitergeben.»

Dass es dabei nie nur ums Geld ging, sei für sie klar gewesen: «Reich wird man mit einer Reggae-Party sicher nicht.» Ob aus dem Jubiläumsabend neue Veranstaltungen entstehen, lassen die beiden offen. Sicher ist für sie nur eines: Solange die Leidenschaft bleibt, wird Rising Fyah Sound weitermachen. Und Schgör bringt auf den Punkt, was das Duo seit 20 Jahren antreibt: «Wir machen das, weil wir diese Musik lieben. Wenn wir mit unserer Begeisterung auch andere anstecken können, dann haben wir unser Ziel erreicht.» (Text: Matilde Alvaro Sanchez)

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