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«Ich langweile mich schnell»

Sie ist 35 und hat schon in 35 Wohnungen gelebt: Die Musical-Darstellerin Eveline Suter aus Zug über Harlem, Heimatgefühle und ihre Hummeln im Hintern.

«Ich langweile mich schnell»
«Ich langweile mich schnell»

Eveline Suter, wie geht es Ihnen an diesem verhangenen Regentag?

Eveline Suter: Das ist eigentlich genau mein Wetter: Ich mag es nicht, wenn es zu heiss ist. Marcel, mein Mann, und ich sind totale Winterfans wir sind immer froh, wenn es wieder Winter ist. Weihnachtsmarkt, Glühwein, heisse Teeli – das ist voll unser Ding.

Dann fahren Sie auch gerne Ski?

Suter: Das nicht, nein. Sonst baue ich nur wieder Unfälle. Ich ziehe die nämlich richtiggehend an: beim Skifahren, Snowboarden, Autofahren, Treppensteigen... Ich glaube, ich bin einfach zu zerstreut. Auf der Walensee-Bühne bin ich vorletztes Jahr beim Musical «Tell» grindsvoran die Treppe runtergesaust. Die ganze Belegschaft hat Witze gemacht, als wir dieses Jahr auf mögliche Gefahrenzonen auf der Bühne hingewiesen wurden.

Aber Sie sind doch kein Tollpatsch! In Ihrem Steckbrief im Internet steht, Sie können im Handstand gehen.

Suter: Ja, das kann ich. Als Schauspieler ist es gut, wenn man solche ausgefallenen Fähigkeiten anzubieten hat.

Von wegen ausgefallen: Ich habe gelesen, ihr Übername sei «Krümel»...

Suter: Als Kind schnitt mir immer mein Papi die Haare. Und weil meine Mutter das Gerücht gehört hatte, dass feine Haare voller nachwachsen, wenn man sie ganz zurückschneidet, hat er sie mir wirklich bodeneben abgeschnitten. Ich habe nur noch geheult. Weil eben nur noch Krümel von Haaren übrig waren, nannten mich von da an alle, bis ich etwa 25 war, Krümel. Meiner Schwester rutscht es bis heute noch manchmal raus. Seither wollte ich nie mehr kurze Haare.

Das scheint traumatisch gewesen zu sein.

Suter: Ja, schon. (lacht) Ich sah aus wie ein Bub. Als wir in die Ferien flogen, bekam ich von den Stewardessen Knaben-Spielzeug, diese Holzflieger, während meine Schwester die Malsachen bekam. Und genützt in Sachen Haardichte hats auch nichts.

Stimmt es, dass Ihre Zuger Wohnung schon die 35. in Ihrem Leben ist?

Suter: Ja, das dürfte stimmen.

Und, bleibt es jetzt dabei?

Suter: Das wahrscheinlich nicht. Aber im Moment fühlen wir uns sehr wohl hier.

Werden Sie nervös, wenn Ihr Leben länger in ruhigen Bahnen verläuft?

Suter: Ich bin schon eher die mit Hummeln im Hintern. Ein sogenanntes Long-Run-Musical, wo man also mehrere Jahre lang die gleiche Rolle spielt, wäre zum Beispiel nichts für mich. Ich möchte in Sachen Bühne und Musik noch so viel wie möglich erleben und mich nicht auf irgend einen Langzeitvertrag festlegen müssen. Ich brauche die Herausforderung. Ich bin dann zwar vielleicht total im Stress und wünsche mir, dass es endlich ruhiger wird, wenn es dann aber so weit ist, langweile ich mich schnell.

Es heisst immer wieder, Sie würden zumindest teilweise in New York leben. Wie ist das genau?

Suter: Ich habe eine Green Card, darf also in den USA arbeiten. Seit 2010 kamen aber hier in der Schweiz und in Deutschland immer wieder neue Engagements dazu, zudem war es eine sehr schwierige Phase, da mein Vater krank wurde und gestorben ist. Da war ich sehr froh, hier sein zu können. Jetzt merke ich aber schon, dass ich gerne nochmals nach New York gehen würde. Ich habe mir fest vorgenommen, mir im September zwei Monate dafür freizuhalten.

Sie wohnten während Ihrer Ausbildung in Harlem.

Suter: Ja, das ist mein Viertel. Während meiner Ausbildung lebte ich dort, weil man dort einfach günstige Wohnungen bekam. Aber es ist relativ sicher, wenn man nicht gerade aufgetakelt rumläuft. Ich machte jeweils einfach die Kapuze hoch, wenn ich nachts alleine heimgelaufen bin. Ich hatte höchstens ein-, zweimal etwas Schiss.

Harlem und Zug das ist ein krasser Gegensatz.

Suter: Naja, man kann auch in Zug mal blöd angemacht werden. Aber klar ist es hier viel ruhiger, und die Lebensqualität ist höher. Ich bin vor einem Jahr in Harlem von einem Taxi angefahren worden das war eben auch so ein Unfall –, da wurde ich im Spital fast vergessen, obwohl ich recht schlimm auf den Kopf gestürzt war. Als ich kürzlich hier in Zug ins Spital musste – schon wieder ein Autounfall –, haben drei Ärzte gleichzeitig die kleine Verbrennung an meinem Arm untersucht.

Ihren Mann Sie haben Ende Jahr geheiratet – würden Sie dann schon auch mitnehmen nach New York?

Suter: Klar. Das Problem ist, dass er noch keine Green Card hat. Der Plan ist, dass ich zuerst allein gehe und er nachkommt. Wenn das mit dem Job bei ihm klappt, haben wir die Köfferchen dann ziemlich schnell gepackt.

Ist er sowas wie der ruhige Pol in Ihrem bewegten Leben?

Suter: Er ist sicherlich auch mit ein Grund, weshalb ich jetzt schon so lange wieder in der Schweiz bin. Er ist stärker verwurzelt hier als ich. Ich bin sesshafter geworden, früher war ich kaum zwei Monate an einem Ort, schon musste ich wieder weg. Ich schätze es sehr, eine Wohnung zu haben, die man schön einrichten kann. Durch ihn ist es wirklich ruhiger geworden in meinem Leben. Umgekehrt hat auch er etwas von meinem eher aufbrausenden Temperament übernommen.

Er ist Koch. Womit kann er Ihnen eine besondere Freude bereiten?

Suter: Ich bin schon seit Jahren Vegetarierin. Als ich im Februar in New York war, habe ich mich daran gewöhnt, dass man jetzt alles sogar vegan haben kann: Pizza, Glace, einfach alles. Wir stöbern jetzt gemeinsam in veganen Rezeptbüchern herum, vor allem indisches Essen liebe ich. Das Schöne ist, dass Marcel nie zu faul ist, um zu kochen.

Sie haben vor drei Jahren Ihren Vater und acht Jahre davor auch Ihre Mutter verloren. Was bedeuten für Sie Heimat und Familie?

Suter: Heimat ist dort, wo das Herz pöpperlet, wenn man nach Hause kommt. Wenn ich nach Hamburg fliege für ein Casting, habe ich zwar Freude, aber das ist nie das Gleiche, wie wenn ich wieder hier im Flughafen Kloten lande. Familie, das bedeutet meine Geschwister und meine Grosseltern. Letztere haben einen ganz anderen Stellenwert bekommen, seit ich meine Eltern nicht mehr habe. Es ist mir ein Bedürfnis, sie häufig zu sehen.

Hat man ein grösseres Bedürfnis nach eigenem Nachwuchs, wenn man die Eltern relativ früh verliert?

Suter: Ich bin jetzt 35, und natürlich kommt der Gedanke immer öfter. Aber ich bin jetzt sehr glücklich mit meinem Leben, und der Job ist mir sehr wichtig. Gerade diesen Sommer darf ich so eine tolle Rolle auf einer so schönen Bühne spielen, das ist einfach fantastisch. Es gab auch schon Zeiten, wo ich kein richtiges Zuhause hatte und mich einsam fühlte, da war der Wunsch nach Nachwuchs viel grösser. Im Moment stimmt es für mich völlig. Mit Marcel weiss ich, dass es super wäre, Kinder zu haben, und wenn nicht, dann sind wir auch glücklich. Vielleicht tun wir uns dann noch einen zweiten Hund zu. (lacht)

Sie machten sich schon früh selbstständig. Sie schmissen die Kanti, um nach Wien an die Musicalschule zu gehen. Wussten Sie schon immer genau, was Sie im Leben wollten?

Suter: Zuerst wollte ich Trompeterin werden, weil das etwas Spezielles war für ein Mädchen ich nahm auch an bedeutenden Wettbewerben teil. Als dann die Idee mit dem Musical aufkam, hatte ich schon Unterricht am Konservatorium in Luzern und hätte dort auch studieren können. Niemand konnte zuerst verstehen, wieso ich unbedingt nach Wien musste. Aber für mich kam nichts anderes in Frage.

Als Trompeterin brauchen Sie eine gute Puste. Haben Sie auch im Übertragenen Sinn einen langen Atem?

Suter: Bei grösseren Dingen, die ich mir in den Kopf gesetzt habe, habe ich wie gesagt einen langen Atem. Aber bei kleinen Dingen, oooh, da kann ich mich aufregen und quengelig werden. Wenn ich müde bin und etwas nicht sofort finde zum Beispiel. Marcel hat eine Engelsgeduld und lacht in solchen Momenten nur.

Sie haben vor allem

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