Aktuelles & Magazin
Alle BeiträgeMitanpacken ist hier erwünscht
In Experimenten finden Fachleute heraus, wie historische Werkzeuge einst benutzt wurden. Besucher können jetzt den Beweis antreten.

Steinesägen, Schleifen, Polieren, Schneiden und sogar einen Baum fällen: In Rahmen der neusten Sonderausstellung mit dem Titel «Einfach tun Archäologie vom Experiment zum Erlebnis» können grosse und kleine Besucher im kantonalen Museum für Urgeschichte(n) bald selber Hand anlegen.
«Die Sonderausstellung schlägt einen Bogen von moderner experimenteller Archäologie und deren Erkenntnissen zum selbstständigen Ausprobieren von einfacheren archäologischen Werktechniken», erklärt die Projektleiterin Dorothea Hintermann. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Techniken und Funde aus der Pfahlbauerzeit (zirka 5000 bis 1000 v. Chr.).
Finden Archäologen ein bestimmtes Objekt, so stehen sie zuerst oft vor dem Rätsel, wie und wofür dieses seinerzeit genau verwendet wurde: Die heutige experimentelle Archäologie geht solchen Fragen mit strengen wissenschaftlichen Richtlinien, modernsten Methoden und Analyseverfahren auf den Grund.
Sechs Werkinseln
In den Anfängen der Pfahlbauerforschung vor rund 150 Jahren wurde aber oftmals drauflos experimentiert und durchprobiert: «In unserer Sonderausstellung gibt es insgesamt sechs Werkinseln, auf denen die Besucher selbstständig die verschiedenen Techniken der Menschen aus der Pfahlbauerzeit, so, wie sie von der experimentellen Archäologie wiederentdeckt wurden, anwenden und ausprobieren können», erklärt Hintermann. «Wir haben im Lauf der letzen Jahre immer wieder kleinere Workshops angeboten und dabei gemerkt, dass ein Bedürfnis nach mehr da ist. Gross und Klein hat Interesse und Freude daran, Dinge mit eigenen Händen zu schaffen.»
Ergänzend zu den einzelnen Werkinseln gibt es zahlreiche Informationsplakate und originale Funde, grösstenteils aus dem Kanton Zug.
Den anderen Schwerpunkt der Ausstellung bilden aktuelle Forschungsprojekte der experimentellen Archäologie im Kanton Zug: Hier erhalten die Besucher anhand von spannenden und prägnanten Beispielen wie dem berühmten «Excalibur aus dem Zugersee» oder einem mutmasslich jungsteinzeitlichen Brötchen interessante Einblicke in die vielfältige Methodik der Forschung. Wie brachte man feine Verzierungen in ein Bronzemesser an, zu einer Zeit, als so gut wie keine härteren Materialien verfügbar waren? Warum weisen gefundene Äxte und Beile starke Verbrennungen auf und woraus setzt sich jetzt eigentlich dieses Brötchen zusammen? «Die meisten dieser Forschungsprojekte sind immer noch am Laufen, die Besucher können sozusagen noch etwas mitraten und sich dann immer wieder über den aktuellen Fortschritt informieren», so Hintermann.
Künstler gestalten Galerie
Begleitend zu der Ausstellung wurde auch auf der beliebten Kindergalerie des Museums experimentiert: «Wir haben das Kunstkollektiv CKÖ dazu eingeladen, die Galerie neu zu gestalten.» Entstanden ist ein gemütliches altsteinzeitliches Zeltlager, in dem die Jüngsten prähistorische Wandmalereien entdecken und mit Kreide selbst zu Künstlern werden können. «Auch für uns ist diese Ausstellung eine Art Experiment», sagt Dorothea Hintermann: «Wir sind gespannt auf die Reaktionen.» (Natalia Widla)
HinweisDie Ausstellung «Einfach tun Archäologie vom Experiment zum Erlebnis» hat diesen Samstag Vernissage, ab Sonntag, 23. März, ist die Sonderausstellung geöffnet.