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Selbst das Monumentale bleibt hier filigran

Monika Feucht hat sich dem Haar verschrieben. Mit aufwendiger Arbeit bringt sie das Sujet in ihre Werke ein in echt oder gezeichnet.

Haare ob als hängendes Objekt oder zum «Frühstück» – sind bei Monika Feuchts Arbeiten ein zentrales Element. (Bild Christof Borner-Keller)
Haare ob als hängendes Objekt oder zum «Frühstück» – sind bei Monika Feuchts Arbeiten ein zentrales Element. (Bild Christof Borner-Keller)

Der sprichwörtliche alte Zopf steht bei Monika Feucht in einem völlig neuen Kontext als künstlerisches Objekt, stilvoll veredelt. Fast raumbeherrschend wirkt das leicht skurril anmutende Objekt der Luzerner Künstlerin in der Galerie von Carla Renggli. Vor einigen Jahren hat ihr eine Bekannte ihre Haarpracht überlassen. Mit Gaze umwickelt und im Anschluss mit reinem Blattgold überzogen ist ein für Monika Feucht typisches Kunstwerk entstanden.

Bei der Luzernerin steht das Haar ob menschlich oder tierisch – im Mittelpunkt ihres Schaffens. So trägt ihre aktuelle Ausstellung denn auch die Überschrift «Mit Haut und Haar». Ihre Zeichnungen fertigt sie primär mit Bleistift oder Grafit an. Sie löst kühne Frisuren von den Köpfen und gibt sie in monumentalen Ausmassen auf Papier wieder. Die akribische Ausführung hat eine nahezu fotografische Genauigkeit zur Folge, als hätte Monika Feucht auch wirklich jedem einzelnen Haar grösste Aufmerksamkeit geschenkt. Je grösser die Arbeitsfläche, desto filigraner die Details, macht es den Anschein.

Das Haar stets im Kontext

Die isolierte Abbildung eines figurbetonten Frauenkleides als wäre es aus einem einzigen Stück Fell angefertigt, so plastisch und dynamisch, dass die Person, die es trägt, rein imaginär bleiben kann und doch ihre Funktion erfüllt.

Nur im ersten Augenblick scheinen Monika Feuchts grossformatige Zeichnungen von Mobiliar-Silhouetten vor feinmaschigen Gardinen vom Thema Haare abzuweichen. Doch auch hier findet das Sujet in eben dieser haarfeinen Feinmaschigkeit und ihrer Filigranität einen gemeinsamen Nenner. Genauso wie in den Natursujets allein die feinen Verästelungen von Baumkronen oder eine Ansammlung von Grashalmen nehmen wieder den Bezug zum Haar auf.

Eigensinnige Objektschöpfungen

Parallel zu den Bildern zeigt Monika Feucht eine Auswahl an Objekten. Skurril, verspielt, Bestandteile teils willkürlich für die Verarbeitung erkoren, um daraus ein Objekt mit eigensinnigen Effekten zu schaffen. Und immer wieder ist die Eigenschaft des Haares als Basis in irgend einer Form zu erkennen. Mit einem goldblonden Mädchenzopf als appetitlichem Frühstückszopf auf einem Brotbrett mit Brotmesser verlockend angerichtet, ist die Künstlerin schliesslich wieder vollends in ihrem Element. (Andreas Faessler)

 

Hinweis
Ausstellung in der Galerie Carla Renggli, Ober Altstadt 8, Zug. Noch bis 26. April. Apéro mit der Künstlerin am Sonntag, 30. März, 1417 Uhr. Geöffnet Di-Fr, 14-18.30 Uhr und Sa, 10–16 Uhr.
 
 

Co-Ausstellung

Skulpturen. Im Soussol der Galerie sind Objekte der Bieler Künstlerin Marlys Bratschi zu sehen. In «menu B» und «Stein und Krug» setzt sie sich mit altem Porzellangeschirr auseinander, zerlegt sie einerseits in Teile und fügt sie neu zusammen oder erweitert sie andererseits fast spielerisch zu eindrucksvollen Kompositionen. Vertrautes aufbrechen und neu ­verbinden, lautet ihr Credo. Fragmente von Porzellangeschirr verschmelzen mit massivem Stein, dessen Oberfläche fast so glatt ist wie die glasierte Keramik. Zerbrechlichkeit und Robustheit verschmelzen hierbei zu einem neuen Ganzen. (fae)

  

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