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«Sie werden ihre Traditionen verlieren»

Pit Buehler hat Volksstämme Südäthiopiens fotografiert. Zehn Porträts sind nun in Zürich zu sehen.

Die Lippenplatte ist das Merkmal der Frauen aus dem Kriegervolk der Mursi. (Bild PD/Pit Buehler)
Die Lippenplatte ist das Merkmal der Frauen aus dem Kriegervolk der Mursi. (Bild PD/Pit Buehler)

80 Kilo Gepäck, 60 davon entfielen auf die Fotoausrüstung. So viel Material nahm Pit Buehler aus Baar im Oktober in den Süden Äthiopiens mit. Dort warteten auf ihn nebst spannenden Porträts auch Skorpione, Giftspinnen, Hitze, Staub und stundenlange Fahrten über Schotterpisten in einem nicht immer funktionstüchtigen Landcruiser. Rund 15 Tage lang porträtierte der freischaffende Fotograf um die 350 Angehörige der traditionellen Volksstämme des Omo Valley, unter anderem auch die Krieger der Mursi, welche für die «Narbifizierungen» und Lippenplatten bei den Frauen bekannt sind.

Stammeskrieger sorgen für Schutz

«Once they were warriors» nennt Pit Buehler die dabei entstandene Bildstrecke. Sein Ziel war es, ein Zeitdokument zu schaffen: «Diese Leute sind lebendige Kunstwerke», sagt der Fotograf. Und: «Sie werden wohl viele ihrer Traditionen verlieren.» Die äthiopische Regierung habe ihr Land an internationale Agrarkonzerne verkauft, welche das fruchtbare Weideland in Plantagen verwandelten. Auch ein riesiges Staudammprojekt, die Erschliessung von Ölfeldern und der Einfluss westlicher Kulturen führten dazu, dass sich immer mehr Stammesmitglieder von ihrer traditionellen Lebensweise abkehrten. «Man spürt die Veränderung», beschreibt ­Buehler seine Sicht der Dinge.

Der studierte Betriebsökonom, der seit 2008 als freischaffender Fotograf arbeitet und vor allem im Bereich der Porträt- und People-Fotografie tätig ist, war im Oktober insgesamt drei Wochen in Äthiopien unterwegs. Er organisierte sich einen einheimischen Fahrer und Dolmetscher, den er noch von einer früheren Expedition in diese Gegend kannte. Zusätzlich wurde er von einer afro-französischen Fotografie-Assistentin und von einer deutschen Ethnologin begleitet. Für seinen Schutz sorgten lokale Guides und Stammeskrieger.

Über jedes Foto wird verhandelt

Ein grosser Kamerahersteller hatte vorab einen Teil seiner Ausrüstung gesponsert. Vor Ort wurde jeweils schnell und spontan fotografiert, ohne Blitz und mit einem schwarzen Tuch als Hintergrund. «Diese Leute sind sehr offen und stolz und eignen sich perfekt als Models, allerdings sind sie oft auch sehr ungeduldig, werden schnell aggressiv», erzählt Pit Buehler. Der Fotograf verhandelte für jedes Foto ein gängiges Geschäftsverhalten dieser Stämme.

Der Baarer zeigt nun zehn seiner Porträts aus der Bildstrecke «Once they were warriors» bei der Photo 14 in Zürich (Box), der grössten Werkschau für Schweizer Fotografie, an der er im vergangenen Januar (Photo 13) auch schon teilnahm. (Susanne Holz)

Hinweis
Mehr Bilder von Pit Buehler auf der Homepage www.blackocean.ch
 
 

Zwei weitere Zuger an der Photo 14

WERKSCHAU RED. 125 der besten Schweizer Fotografen zeigen an der Photo 14 aktuelle Arbeiten. Neben Pit Buehler sind zwei weitere Zuger dabei. Rudolf Koenig-Schlegel aus Hünenberg See zeigt zehn analog aufgenommene Schwarz-Weiss-Fotografien. Koenig widmet sich insbesondere dem Thema Wasser.

Mit dabei an der Photo 14 ist auch Nathalie Furrer. Die 23-jährige Zugerin fotografiert mit einer Infrarotkamera und stellt ihre Werke unter dem Künstlernamen Myreena aus. Die Jus-Studentin hatte ihr Debüt im August 2013.

Hinweis
Photo 14 in Zürich, Maag Areal, Hardstrasse 219, 10. bis 14. Januar, jeweils von 11 bis 20 Uhr

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