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Wie Zug die Kunst wiederbelebt

Die Kunstaktion «Reactivate! Art in Public Space» stellt Bestehendes in ein neues Licht. Die Ankenwaage wird dabei zum ideellen Zentrum - und gleichzeitig zur Garage.

Das Künstlerkollektiv CKÖ verwandelt die Ankenwaage in eine mehrgeschossige Installation. Der Fiat Panda gehört dazu. (Bild Christof Borner-Keller)
Das Künstlerkollektiv CKÖ verwandelt die Ankenwaage in eine mehrgeschossige Installation. Der Fiat Panda gehört dazu. (Bild Christof Borner-Keller)

Sie ist überall in Zug zu finden, die Kunst im öffentlichen Raum. Doch ist sie vielfach so alltäglich geworden, dass sie kaum mehr beachtet wird. Sie ist halt einfach da. Ab heute wird diesen Kunstwerken jedoch neues Leben eingehaucht, ihre Präsenz hervorgehoben, ja sie werden gar neu interpretiert. Die Stadt Zug startet ihr Ausstellungs- und Kunstvermittlungsprojekt «Reactivate! Art in Public Space». Die «Bibel» dieser Aktion ist ein Faltplan. Auf ihm sind rund 66 Kunstwerke auf dem politischen Gebiet der Stadt Zug eingetragen inklusive Bild. Mit dieser handlichen Stadtkarte kann der Kunstinteressierte gemütlich von Objekt zu Objekt spazieren und dabei viel schon lange Dagewesenes neu- oder wiederentdecken. Möglicherweise erlebt er dabei so einige Überraschungen, ihm wird bewusst, wie viel Kunst sich in dieser überschaubaren Stadt verbirgt und wie verschiedenartig sie auftritt.

Unter den 66 Objekten finden sich bei weitem nicht etwa nur moderne Kunstwerke. Einige von ihnen haben eine bis zu 100-jährige Geschichte. So zeichnet sich jedes von ihnen nicht nur durch gestalterische, sondern auch durch historische Individualität aus und ruft entsprechende Assoziationen, Erinnerungen und Emotionen hervor.

Dialog mit der Kunst

Mit Projekten wie «Reactivate!» will die Stadt Zug den Dialog zwischen Kunst und Bevölkerung ins Zentrum rücken. Aus einem Wettbewerb mit 60 Einsendungen hat Zug 13 Projekte ausgewählt, die sich experimentellen Situationen öffnen und sich auf aktuelle Diskurse in der Kunst, Kunsttheorie und -vermittlung stützen. Jedes dieser Projekte nimmt Bezug auf eines oder mehrere der bestehenden Kunstwerke im Stadtraum Zug. Heute Abend um 18 Uhr fällt der Startschuss für die einen Monat dauernde Aktion «Reactivate!». Im Siebachsaal an der Chamerstrasse 33 wird das Projekt eröffnet.

Der Fiat in der Ankenwaage

Einen zentralen Veranstaltungsort für «Reactivate!» gibt es aufgrund der Natur der Sache nicht. «Deshalb haben wir die Ankenwaage als Festivalzentrum bestimmt», sagt Jacqueline Falk, Kulturbeauftragte der Stadt Zug. Seit das historische Altstadthaus für kulturelle Veranstaltungen zwischengenutzt wird, haben hier zahlreiche Aktionen und Ausstellungen stattgefunden. «Doch jetzt wollten wir für einmal das ganze Gebäude in ein einziges Kunstwerk verwandeln», so Jacqueline Falk. «Dafür haben wir das Zürcher Künstlerkollektiv CKÖ ins Boot geholt.» Die Installation in der Ankenwaage mit dem Namen «There häs prosciutto on se wall» ist mit viel Aufwand erstellt worden. Die Künstler haben eine eigene Treppe installiert und mit Hilfe eines Hubstaplers gar einen ganzen Fiat Panda in die Ankenwaage gehievt.

Nur zwei Personen auf einmal

Wer also herausfinden möchte, was der Schinken an der Wand in der Ankenwaage zu suchen hat, der schaue sich das Kunstwerk über drei Geschosse an, denn mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, ausser dass aus Sicherheitsgründen jeweils nur zwei Personen gleichzeitig die Installation begehen dürfen. «Wir sind froh, dass wir die feuerpolizeiliche Erlaubnis für das Kunstwerk erhalten haben», sagt Jacqueline Falk. In der Ankenwaage sind zudem einige Beiträge zu sehen, die sich direkt auf die 66 «reaktivierten» Kunstobjekte in der Stadt beziehen.

Während der ganzen Aktion finden jeweils freitags, samstags und sonntags (einmal auch an einem Mittwoch) zahlreiche Veranstaltungen wie Führungen, Performances oder auch Konzerte statt. Das detaillierte Programm ist einzusehen unter www.reactivate.ch. (Andreas Faessler)

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