In seinem Haus ist Weihnachten besonders kostbar

Brauchtum & Geschichte

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Fredi Dünnenberger sammelt historischen Weihnachtsschmuck. Seine Schätze locken sogar Publikum aus dem Ausland an.

  • Fredi Dünnen- berger schmückt seinen Christbaum ganz nach dem Motto: Mehr ist mehr.  (Bild Stefan Kaiser)
    Fredi Dünnen- berger schmückt seinen Christbaum ganz nach dem Motto: Mehr ist mehr. (Bild Stefan Kaiser)

Baar – An der Albisstrasse 4 in Baar ist fast zwei Monate lang Weihnachten. Die Festtage beginnen für Fredi Dünnenberger jeweils Anfang Dezember. Dann stellt er in seinem Haus die Möbel um und holt unzählige Bananenschachteln aus dem Estrich. Mehrere Zimmer sowie das Treppenhaus verwandeln sich innerhalb von gut drei Wochen in ein Weihnachtsmuseum in eines mit Seltenheitswert. Denn die Kostbarkeiten von Fredi Dünnenberger sind oft weit über 100 Jahre alt und wahre Raritäten. Das beginnt im Hochparterre, wo in einem Raum historische Adventskalender ausgestellt sind. «Der erste Kalender entstand 1902», erklärt Fachmann Dünnenberger. Er war aufgebaut wie eine Uhr – und beginnt deshalb erst am 13. Dezember. Im selben Zimmer stehen auch seltene Faltkrippen, Krippen aus Karton, die sich flach zusammenfalten lassen.

Der Baum steht bis Ende Januar

Raritäten sind auch die Federnbäume aus Gänsefedern. «Die sind um die 100 Jahre alt», sagt Fredi Dünnenberger. «Es sind die ersten künstlichen Christbäume.» Das Prunkstück steht im Treppenhaus. «Diesen Federnbaum habe ich in den USA entdeckt.» Rund zwei Meter hoch ist die künstliche Tanne, die unter anderem mit Biedermeier-Kugeln, Schmuck aus Blech und Zinn und alten Kerzen- und Nusshaltern geschmückt ist.

Aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt man in Dünnenbergers Wohnzimmer. Dort steht eine stattliche Tanne, die über und über mit historischem Schmuck behängt ist. Kein noch so kleines Ästlein, an das der 66-Jährige nichts gehängt hat. «Das Schmücken dauert jeweils rund eine Woche», sagt er. «Allein für die Beleuchtung brauche ich einen Tag.» Gestern hat er die Arbeit beendet. Nun steht der Baum in seiner vollen Pracht da. Und das wird er bis Ende Januar tun. Damit die Tanne so lange durchhält, stellt Dünnenberger jeweils die Heizung ab. Entsprechend kühl ist es in der Stube. «Wenn Besuch da ist, heizen wir jeweils ein bisschen», sagt er. Und Besuch haben er und seine Frau in dieser Zeit jeweils sehr viel. Über hundert Verwandte, Bekannte und manchmal auch Fremde lassen es sich nicht nehmen, das Dünnenbergersche Weihnachtsmuseum zu besichtigen. Sogar Weihnachtsschmuck-Händler aus dem Ausland reisen jeweils an.

«Ich komponiere den Baum»

Angst hat Fredi Dünnenberger um seine Schätze nicht, auch wenn zum Teil Kostbarkeiten am Baum hängen. «Der Schmuck gehört an den Baum», sagt er lapidar. Und so hängen ein Dampfschiff neben Nils Holgersson auf der Wildgans, eine Jazzband neben Lawrence of Arabia. Fredi Dünnenberger sucht für jedes einzelne Stück den richtigen Ast. «Ich komponiere den Baum», sagt er. Dabei sieht der Christbaum jedes Jahr anders aus. Denn Dünnenbergers Sammlung vergrössert sich Jahr für Jahr. Was vor weit über 30 Jahren mit ein paar wenigen Teilen begonnen hat, ist heute eine der grössten Kollektionen. Es sei wie eine Sucht. Er könne sich kaum zurückhalten, wenn er bei seinen Recherchen im Internet oder bei einem Händler auf ein spezielles Schmuckstück stosse. Dieses Jahr konnte er seine Sammlung um ein paar besonders seltene Exemplare erweitern. Eva Stille, Pionierin, was die wissenschaftliche Dokumentation und Erfassung von Weihnachtsschmuck angeht, hat ihre Sammlung verkauft. Ein Teil ist bei Fredi Dünnenberger gelandet. Seine Frau teilt die Begeisterung für Weihnachtsschmuck. «Aber manchmal denke ich auch: ‹Jetzt ist es langsam genug.›»

In zwei Jahren in der Burg

Heute hat Dünnenbergers Weihnachtsbaum quasi Premiere. Er und seine Frau feiern zusammen mit ihren Kindern und den Enkeln Weihnachten. In zwei Jahren werden sie das erstmals seit vielen Jahren unter einem ‹normalen› Christbaum tun. Denn dann wird Dünnenberger sein Weihnachtsmuseum in der Burg Zug einrichten. Erstmals wird die breite Öffentlichkeit die Möglichkeit erhalten, den historischen Weihnachtsschmuck zu bestaunen. Doch kann er selber ohne seinen geliebten Schmuck sein? «Es wird sicher nicht einfach», sagt Fredi Dünnenberger und lacht. «Vielleicht werde ich in der Burg übernachten.» (Silvan Meier)