Schubert zum Schluss der Sommerklänge

Musik

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Einen in jeder Hinsicht würdigen Abschluss erhielten die diesjährigen Sommerklänge mit dem Streichquintett.

  • Die fünf Mitwirkenden (alles Dozenten und ausführende Interpreten) brachten die Sommerklänge unter durch das Coronavirus erschwerten Bedingungen zu einem meisterhaften Abschluss. (Bild Heinz Morf)
    Die fünf Mitwirkenden (alles Dozenten und ausführende Interpreten) brachten die Sommerklänge unter durch das Coronavirus erschwerten Bedingungen zu einem meisterhaften Abschluss. (Bild Heinz Morf)

Zug – Das «Streichquintett in C-Dur D 956» ist das letzte abgeschlossene Kammermusikwerk von Franz Schubert. Er arbeitete daran bis wenige Wochen vor seinem Tod, in einer Phase materieller Entbehrung, aber höchster musikalischer Inspiration. Die fünf Mitwirkenden, Esther Hoppe und David McCarroll, Violinen, Veronika Hagen, Viola, sowie die beiden Cellisten Clemens Hagen und Christian Poltéra brachten eine hervorragende Interpretation zum Klingen.

Sie bilden zwar kein festes Ensemble; sie sind aber alle als Dozenten und ausführende Interpreten mit Salzburg verbunden. So fand man trotz unterschiedlicher äusserer Erscheinung und Spielkultur nicht nur ein sicheres Zusammenspiel, sondern auch jenes innere musikalische Gemeinschaftsgefühl, das auch im Publikum unbewusst als Unterschied zwischen solider und hervorragender Interpretation empfunden wird.

Einige Musiksachverständige äussern die Meinung, dass eine Wiederholung nur dann Sinn macht, wenn man auch beim zweiten Mal noch etwas Neues zu sagen hat. Beim gebotenen Nachvollzug war das kein Problem: Schon der allererste Einsatz wurde als Reprise ganz anders angepackt als beim ersten Mal. Das betrifft übrigens auch Schuberts Komposition selbst: Die Reprise des zweiten Satzes fand zwar wieder genau die Stimmung des Anfangs, dabei wurde aber kaum eine einzige Sequenz mit genau dem gleichen Notentext wiederholt.

Alles eingebracht, was im kurzen Leben möglich war

Schubert hat im C-Dur-Quintett fast alles eingebracht, was er in seinem kurzen Leben noch einbringen konnte; der Nachvollzug war so, dass dies auch angemessen zur Geltung kam. Die freie aber nicht willkürliche Tempowahl liess sowohl orchestrale Elemente wie feine kammermusikalische Besinnlichkeit voll transparent werden. Der Schlusssatz fand genau den richtigen Weg zwischen volkstümlichen Elementen aus der Tanzmusik und den weit über eine gemütliche Spielmusik hinaus ragenden harmonischen Verfremdungen. Mit rund 70 Minuten Spieldauer stellte das Werk auch an das Publikum hohe Ansprüche. Die Spannung blieb aber bis zuletzt vollumfänglich gewahrt; auch dies würdigte die ausgezeichnete Gesamtleistung der Ausführenden.

Der erste Konzertteil wirkte von der Besetzung wie vom Gehalt her wie eine Vorbereitung auf Schubert. Der Franzose Jean Baptiste Barrière (1707-1747) widmete fast sein ganzes kompositorisches Schaffen dem Cello. Er ist den Cellisten als Wegbereiter für das virtuose Spiel bis in hohe Lagen bekannt geblieben. Davon zeugte auch seine Sonate in G-Dur für 2 Celli.

Das «Terzetto Opus 74» von Antonin Dvořak für 2 Violinen und Viola gehört zwar zu den Gelegenheitswerken. Es dokumentierte aber doch einen stilsicheren Komponisten, der auch mit einer Kleinform gültige musikalische Aussagen findet. Dvořak schrieb 1887 an seinen Verleger: «Ich schreibe jetzt kleine Bagatellen, denken Sie, nur für zwei Violinen und Viola. Die Arbeit freut mich ebenso sehr, als wenn ich eine grosse Sinfonie schriebe.»

Hoffen auf Kammermusik ohne Einschränkungen

Alle Sommerklänge-Konzerte waren im Rahmen der Coronarestriktionen vollständig ausverkauft. Wo organisatorisch kurzfristig eine zweite Aufführung möglich war, fand auch diese vor einem zahlreichen Publikum statt. Nachdem Peter Hoppe dem Team Festival Sommerklänge um Madeleine Nussbaumer offiziell gedankt hatte, schloss er mit den Worten «...und nächstes Jahr wieder!» Es bleibt nur zu hoffen, dass bis dann wieder ein uneingeschränkter Kammermusikbetrieb möglich ist. Der Zephyr Hangar V-Zug steht 2021 voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung. (Jürg Röthlisberger)