Trachten als Sinnbild für Heimat

Brauchtum & Geschichte, Kunst & Baukultur

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Zweckmässige Wohnbauten der Nachkriegszeit sind punktuell künstlerisch gestaltet worden. Im Lauried ist ein Werk Hans Potthofs trotz umfassender Sanierung der Gebäudehülle erhalten geblieben.

  • Haben im Zuge einer Gebäudesanierung einen Rahmen gekriegt: Hans Potthofs Trachtenleute im Lauried. (Bild Matthias Jurt)
    Haben im Zuge einer Gebäudesanierung einen Rahmen gekriegt: Hans Potthofs Trachtenleute im Lauried. (Bild Matthias Jurt)

Zug – Die 1950er-Jahre waren geprägt von den Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges. Es herrschte Sparsamkeit und Baumaterial war noch nicht in Fülle vorhanden. In der Architektur äusserten sich diese Umstände durch eine einfache Bauweise. Wohnhäuser hatten in erster Linie zweckmässig zu sein, Ästhetik und gestalterische Komponenten waren zweitrangig. Um das optisch Unspektakuläre der Nachkriegsbauten punktuell zu durchbrechen, erhielten Künstlerinnen und Künstler da und dort den Auftrag, das Auge mit Fassadenschmuck zu beschäftigen. Prestigeträchtige Aufträge aber blieben die Ausnahme, eher das Gegenteil war der Fall; anlässlich einer Ausstellung über moderne Wandmalerei in der Schweiz im Herbst 1959 in Luzern schrieb der Nidwaldner Künstler Hans von Matt (1899–1985): «Es ergab sich, dass viele hochstehende Maler mit mangelhaften Bauten hatten vorliebnehmen müssen, und dass an guten Architekturen das Wandbild eher selten anzutreffen ist.»

Zu diesen hochstehenden Malern gehörte etwa der Zuger Hans Potthof (1911–2003), welcher in der Nachkriegszeit mehrere Aufträge zur Fassadengestaltung ausführte. Einer davon betraf die Stadtzuger Wohnsiedlung «Heimat», welche ab 1951 im nördlichen Lauried entstanden ist und aus mehreren Doppelmehrfamilienhäusern besteht.

An der Stirnfront des Hauses Lauriedhofweg 15, welche gegen die Mattenstrasse zeigt, hat Hans Potthof im Jahr 1955 ein grosses, hochformatiges Sgraffito ausgeführt. Mit seinen Massen von gut zweieinhalb mal drei Metern reicht das Kunstwerk über zwei Geschosse hinweg. Es zeigt ein Zuger Trachtenpaar. Sitzend ein Herr, dem Anschein nach in Festtagstracht mit Weste, knielanger Leinenhose, Schlapphut und Stock. Neben ihm stehend eine Dame (wohl) in Werktagstracht mit Chriesihut mit einem Korb voll Chriesi.

Für die Wahl des Motives war mit Sicherheit der Name der Siedlung massgebend: Zuger Trachtenleute als Verkörperung von Heimat, als Inbild für denjenigen Ort, der einem Zuhause ist – als kleines romantisches Statement in einer Zeit des Neubeginns, die jedoch angesichts der Nachwehen vom Krieg noch immer von Verzicht geprägt ist.

Trotz Sanierung erhalten geblieben

Im Jahr 1998 liess die Wohnbaugenossenschaft Heimat die Gebäudehülle der in die Jahre gekommenen Häuser am Lauriedhofweg umfassend sanieren und energietechnisch auf den Stand der Zeit bringen. Dabei ist Potthofs Sgraffito auf dem Putz der 1950er-Jahre ausgespart worden und somit nicht verloren gegangen. Es ist mit einem metallenen Rahmen versehen worden, sodass der Eindruck entsteht, als hätte man an der Fassade des Gebäudes ein grossformatiges Potthof-Bild aufgehängt. (Andreas Faessler)

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.