Ihre Gesichter lügen nicht

Film

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Die Filmemacherin Sung-Hyung Cho versucht, dem wahren Alltag der Nordkoreaner nachzuspüren.

  • Führertreue, Heldentum, Aufopferung für das Vaterland. Sung-Hyung Cho traf in Nordkorea Menschen in ihrem Alltag. (Bild PD)
    Führertreue, Heldentum, Aufopferung für das Vaterland. Sung-Hyung Cho traf in Nordkorea Menschen in ihrem Alltag. (Bild PD)

Zug – Nordkorea – ein Land, das dauernd in den Schlagzeilen ist. Und doch weiss man so gut wie nichts über diese Diktatur in Fernost. Die deutsch-südkoreanische Regisseurin Sung-Hyung Cho hat ihre koreanische Staatsbürgerschaft eigens dafür abgegeben, um eine Filmerlaubnis in Nordkorea zu erhalten. Entstanden ist «Meine Brüder und Schwestern im Norden», eine Dokumentation über den scheinbaren Alltag im isolierten Staat.

Die Filmemacherin besucht ausgewählte Orte wie ein Schwimmbad, eine Schule oder eine Textilfabrik, spricht mit mehreren Menschen. Überall wird dasselbe Bild zu vermitteln versucht: Zufriedenheit, Ordnung, bürgerlicher Wohlstand – und die unermessliche Liebe zum Führer. Die Gesichter der Menschen aber verraten, dass dies alles andere als der Wahrheit entspricht. Es drängt sich dem Zuschauer der Verdacht auf, dass sämtliche Schauplätze im Film potemkinsche Konstrukte sind, die – zuweilen unglaubhaft – vorgaukeln, wie gut es dem Volk Nordkoreas entgegen der allgemeinen Wahrnehmung in der Welt geht. Wohlgemerkt sind die Gesprächspartner von Sung- Hyung Cho von den staatlichen ­Behörden ausgesucht worden. Wenn die junge Fabrikarbeiterin aber gefragt wird, was sie für Träume und Wünsche hat, und sie dann mit gesenktem Haupt antwortet: «Die Technik meiner Arbeit verbessern, damit ich noch schneller werde», hinterlässt das beim Zuschauer nichts als Beklommenheit. Sung-Hyung Cho begegnet den Menschen mit viel Einfühlungsvermögen und Respekt, unterlässt es bewusst, verfängliche Fragen zu stellen, um ihre Gesprächspartner nicht in Verlegenheit zu bringen.

Ihr gelingt ein eindrückliches Filmdokument, das zumindest eine Idee davon vermittelt, wie der Alltag der Menschen in Nordkorea aussieht – selbst mit der Gewissheit, dass alles nur Schein ist. (fae)

Hinweis

Der Fliz Filmclub Zug zeigt «Meine Brüder und Schwestern im Norden» (2016) am Montag, 8. Oktober, 20 Uhr, im Kino Gotthard, Zug. Regisseurin Sung-Hyung Cho ist als Saalgast anwesend.