Wolfs Sicht auf die alte Burg

Brauchtum & Geschichte, Kunst & Baukultur

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Der bedeutende Maler Caspar Wolf hat uns mit seinen Ölgemälden wertvolle Schweizer Ansichten des 18. Jahrhunderts hinterlassen. Eine davon zeigt die Ruine Hünenberg mit dem «Burghaus».

  • Caspar Wolf malt die Ruine der Burg Hünenberg und das «Burghaus» um zirka 1780. (Bild Murikultur/PD)
    Caspar Wolf malt die Ruine der Burg Hünenberg und das «Burghaus» um zirka 1780. (Bild Murikultur/PD)

Hünenberg – Historische Gemälde aus namhafter Hand mit qualitätvollen Motiven des Kantons Zug sind vergleichsweise rar. Die eine oder andere aufschlussreiche Ansicht aus der Region hat uns der pionierhafte Murianer Landschaftsmaler Caspar Wolf (1735–1783) hinterlassen. Er galt als einer der Begründer der Schweizer Landschafts- und Alpenmalerei, wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, und heute sind seine Werke auf dem Kunstmarkt gefragt. Mittlerweile ist dem Maler in Muri gar ein eigenes Museum gewidmet («Zuger Zeitung» vom 6. April 2019).

In diesem Museum mit rund 40 Ölgemälden Wolfs hängt auch eine stimmungsvolle Ansicht von der Ruine der einstigen Burg Hünenberg. Caspar Wolf hat sie um 1780 oder etwas früher gemalt. Die wohl aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg wurde spätestens ab dem 13. Jahrhundert vom Rittergeschlecht derer von Hünenberg bewohnt. Nach der Schlacht bei Sempach im Jahre 1386, in der die Hünenberger gemeinsam mit den Habsburgern erfolglos gegen die Eidgenossen antraten, fiel die Burg Zerstörung und Verfall anheim. Um 1416 veräusserte Rudolf von Hünenberg den ehemaligen Herrschaftssitz. Über die Jahrhunderte verkam die zerfallene Burg zu einem ruinösen Fragment ihrer selbst. Ein Teil des einstigen stolzen Bergfriedes stand immerhin bis ins 19. Jahrhundert noch aufrecht auf der Anhöhe und liess den einstigen Einfluss des Rittergeschlechts erahnen. Heute sind von der Ruine nur noch die Grundmauern zu sehen.

Gemalte Zeugnisse vergangener Zeiten

Wolfs Gemälde ist allein deshalb von erheblicher Bedeutung, als es den Zustand der Ruine zu seiner Zeit abbildet. Somit haben wir eine genaue Idee von deren Aussehen vor ihrer endgültigen Zerstörung im Laufe des 19. Jahrhunderts. Wir wissen von Caspar Wolf, dass er seine Veduten stets realitätsnahe malte. Im Falle des vorliegenden Gemäldes mag das für den Hintergrund jedoch nur mässig zutreffen, denn vermutlich handelt es sich beim Dorf auf dem etwas arg überhöhten Geländezug um Oberrüti oder um ein leicht «verrücktes» Dietwil. Rechts von Burghügel wird der (heute verbaute) Blick auf die Reussebene frei. Es lohnt sich, auf das Gebäudeensemble vor der Ruine einzugehen, denn der Ortskundige erkennt, dass dieses mit fast derselben Anordnung an Nebengebäuden auch heute noch existiert. Östlich vom Wohnhaus, dessen Grundmauern bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, steht ein Wasch- und Brennhaus, südwestlich davon eine Scheune. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das sogenannte «Burghaus» schauseitig mit Klebdächern versehen und um zwei Fensterachsen gegen Osten hin erweitert. Auf Wolfs Gemälde sehen wir das Gebäude vermutlich kurz vor dieser Erweiterung.

Die Gemälde Caspar Wolfs waren nicht primär dafür vorgesehen, Wohnzimmer vermögender Käufer zu schmücken. Sondern sie dienten als Vorlage zur Herstellung hochwertiger Druckerzeugnisse wie Lithografien, Stichen oder Radierungen, um damit Bücher und andere Publikationen zu illustrieren. Unser kleines Bild zeigt eine kolorierte Radierung des vorliegenden Ölgemäldes. Sie ist bezeichnet mit «Le Chateau Hunenberg dans le Canton de Zug», und stammt von der Hand des bedeutenden Schweizer Radierers Marquard Wocher (1760-1830). Im Vordergrund hat er ein Paar und ein Pferdefuhrwerk hinzugefügt. (Andreas Faessler)

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.