Gedenken und Ermahnen in einem

Brauchtum & Geschichte, Kunst & Baukultur

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Die formschöne Bronzeplastik vor dem Chamer Gemeindehaus erinnert zum einen an ein schreckliches Ereignis. Zum anderen ist ihre Aussage durch und durch positiv konnotiert.

  • Ausdrucksstark: die Skulptur «Verbunden» von Stephan Schmidlin. (Bild Maria Schmid)
    Ausdrucksstark: die Skulptur «Verbunden» von Stephan Schmidlin. (Bild Maria Schmid)

Cham – Zwei Arme greifen ineinander. Mit starkem Griff halten sie sich fest. Beim einen Arm treten die Adern stark hervor, er scheint angespannt und grosse Kraft aufzubringen: Es ist offenbar derjenige Arm, welcher den unteren festhält, vielleicht vom Sturz in die Tiefe bewahrt.

So weit eine Anschauung. Doch die Bronzeskulptur direkt vor dem Eingang zum Mandelhof in Cham soll schlicht ein Zeichen der Verbundenheit sein, was mehrere – positiv behaftete – Interpretationen zulässt. Es ist das Werk des Zuger Bildhauers Stephan Schmidlin (*1963) und steht hier seit dem 27. September 2002. Die Enthüllung erfolgte somit exakt ein Jahr nach dem Attentat im Regierungsgebäude, was denn auch konkreter Anlass für die Aufstellung war. Die Bronzeplastik «Verbunden» erinnert an die 14 Todesopfer und unter ihnen ganz besonders an die beiden Chamer Kantonsräte Karl Gretener und Herbert Arnet. Letzterer amtete als Gemeindeschreiber.

Gemeinsam klappt’s besser

Die stelenartig aufgebaute Plastik will jedoch nicht nur erinnern, sondern auch mahnen und ermutigen, nämlich Gemeinsamkeit zu pflegen, wenn Gutes erreicht oder eine schwierige Zeit überstanden werden soll, denn durch Verbundenheit ist die Erfolgsquote höher. Eine weitere Auslegung der Skulptur ist diejenige als Symbol für die engen Beziehungen zwischen den Chamerinnen und Chamern zu den behördlichen Ämtern. Ohne die fruchtbare Interaktion und das Gefühl einer Zusammengehörigkeit wäre das Gemeindeleben kaum möglich.

Obschon Stephan Schmidlins künstlerischer Schwerpunkt bei der Holzbildhauerei liegt, schafft er auch Skulpturen aus Bronze und Aluminium. Aber fast immer ist der Mensch und der menschliche Körper Thema. Und dabei legt der Künstler grossen Wert auf eine anatomisch naturgetreue Umsetzung. Jegliche Körperdynamik soll möglichst der Realität entsprechen. Darunter fallen Haltung, Mimik oder bewegungsbezogene Aspekte. Im Fall von «Verbunden» kommt dies unter anderem durch die erwähnte Äderung zum Ausdruck, welche eine muskuläre Anspannung andeutet – es wird Kraft aufgewendet, um die Bande fest und sicher aufrechtzuerhalten.

Die Bronzeplastik ist knapp zwei Meter hoch und wirkt dadurch besonders schlank. Der Sockel, aus dem der untere Arm hervorgeht, setzt sich am oberen Arm in verkürzter Form fort. Diese charakteristische Art des Aufbaus findet sich immer wieder im Werk Schmidlins. (Andreas Faessler)

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.