Heute sind für einmal die Kinder die Ziegelmacher

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Im Ziegelei-­Museum wurde gestern Lehm gestochen und gestampft, Trutzgesichter wurden geformt und Geschichte hautnah erlebt.

  • Kinder hatten wieder einen riesigen Spass beim Werkeln in der Ziegelei. Im Bild: Lara am Zeltkleistern. (Bild Maria Schmid)
    Kinder hatten wieder einen riesigen Spass beim Werkeln in der Ziegelei. Im Bild: Lara am Zeltkleistern. (Bild Maria Schmid)
  • (Bild Maria Schmid)
    (Bild Maria Schmid)

Hagendorn – Schrecklich sehen sie aus, Furcht erregend echte Teufelsfratzen haben die Kinder hier geformt. In der Ziegelhütte des Ziegelei-Museums Cham-Hagendorn reihen sich zahlreiche Skulpturen aus frisch geformtem Lehm zum Trocknen aneinander. Mädchen und Buben konnten unter Anleitung Schreck- und Trutzgesichter entwerfen – früher einmal dienten solche Firstziegel als Wächter der Häuser. Für ihren gestrigen Erlebnistag haben sich das Ziegelei-Museum und die Vereinigung für Zuger Ur- und Frühgeschichte einiges einfallen lassen – insgesamt zehn Posten werden von 11 bis 16 Uhr fachmännisch betreut.

Und wie bei der Eröffnung im Juni 2013 ist dem Museum das Wetter hold: Bei schönstem Sonnenschein haben ganze Familien den Plausch rund um Lehm und Ziegel. Ein Erlebnisparcours verdeutlicht den Prozess von der Gewinnung bis zur Verarbeitung von Lehm. Oder wie es das Museum formuliert: Es geht um «die Verwandlung vom Ur- zum Kulturmaterial». Und was braucht der Ziegelmacher als Erstes, um zur Tat zu schreiten? Holz zum Anfeuern des Ofens. Weshalb der Parcours damit beginnt, ein Holzscheit im Ofen zu deponieren. Beim Kammerofen erzählt Iris Renggli, wie Ziegel gebrannt wurden: «Es brauchte mehrere Tage Feuer, bis sie hart waren.» Klettern die Kinder in den Ofen, kommen sie dem Gruss der Ziegelmacher auf die Spur: «Gut Brand» ist an der Wand zu lesen.

Wer einen Ziegel brennen will, der muss Lehm stechen. Was bei Posten Nummer zwei möglich ist. Guido Huwiler erinnert an die Zeiten, «als hier im Ried Lehm gestochen wurde». Zwischen 1873 und 1933 hat die Familie Lörch die Ziegelhütte betrieben. Zudem weiss Guido Huwiler, dass man die ausgestochenen Lehmblöcke über den Winter einfrieren liess. «So konnte man im Frühling den Lehm besser stampfen, weil er beim Auftauen wie Pulver zerfiel.» Stampfen, Kneten, Walken waren Sache der «Lehmbuben». Gestern durften die Kinder bei Posten drei den Lehm in einer Sumpfgrube aufbereiten. Zuvor erfährt man aber noch von Guido Huwiler, dass «mancher Lehm früher teurer war als Gold, weil er als Entgiftungsmittel gebraucht wurde». Und: «Backsteine sind etwas vom Besten fürs Wohnklima. Sie gleichen Feuchtigkeit aus und kennen keinen Schimmel.»

Wie ein Kuhfladen

In der Sumpfgrube geht es hoch her. Die Kinder dürfen mit Füssen und Händen im nassen Lehm nach Murmeln suchen was der Arbeit der Sumpfbuben nachempfunden ist, den Lehm von Steinen und Wurzeln zu befreien. Die zehnjährige Svea Rogger aus Hagendorn findet: «Es ist lustig, da reinzugehen. Fast fühlt es sich an, als ob man in einen Kuhfladen tritt – nur dass es nicht so warm ist.» Und dann? Dann rufen die Ziegelhütte und Posten vier: Es dürfen Ziegel geformt oder eben Trutzgesichter entworfen werden. Wer alles geschafft hat, der darf sich ein Abzeichen holen, natürlich aus gebranntem Lehm und beim Direktor des Ziegelei-Museums persönlich. Jürg Goll ist sehr zufrieden mit dem Tag: «Alles läuft wunderbar, und die Zusammenarbeit mit der Vereinigung für Zuger Ur- und Frühgeschichte gibt beiden Seiten viel.»

Urs Perner, dem Präsidenten des Ziegelei-Museums, ist es wichtig, «allen Beteiligten für ihren grossen Einsatz zu danken». Diese sind bester Laune. «Wir hatten sicher bis zu 250 Gäste heute», schätzt Judith Matter vom Ziegelei-Museum. Und Ulrich Eberli von der Vereinigung für Zuger Ur- und Frühgeschichte ist der Ansicht: «Wir werden auch in Zukunft zusammenarbeiten und unsere Ressourcen gegenseitig nutzen.» (Susanne Holz)