Theater Oberägeri: Traurig und unterhaltsam

Brauchtum & Geschichte, Theater & Tanz

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Mit der Premiere des Stücks «S’gfrornig Härz» eröffnete die Theatergruppe am Samstagabend die 40. Spielsaison.

  • Die Theatergruppe Oberägeri mit dem Stück «S’gfrornig Härz». (Bild Maria Schmid)
    Die Theatergruppe Oberägeri mit dem Stück «S’gfrornig Härz». (Bild Maria Schmid)

Oberägeri – Während fast drei Stunden geht es turbulent zu und her auf der Bühne in der Maienmatt, die sogar in den Saal hinein verlängert werden musste. Die Kurzgeschichte des bekannten Schwyzer Autors Meinrad Inglin «Begräbnis eines Schirmflickers» thematisiert die Querelen, die der Tod eines Landstreichers im Grenzgebiet von zwei Gemeinden auslöst. Der bekannte Regisseur Xavier Koller verfilmte den Stoff mit dem Titel «Das gefrorene Herz», den Annette Windlin danach für die Bühne bearbeitete.

Während im Film die einzelnen Szenen nahtlos ineinander übergehen, wird es auf der Bühne schwierig. Das sei nur eine der Herausforderungen gewesen, gibt der Regisseur Klaus Bilang Auskunft. Es wurde zu seiner sechsten und wohl aufwendigsten Inszenierung mit der Theatergruppe Oberägeri. Davon zeugen auch der Bau von beweglichen Kulissen und das Engagement vom «Cigar-Quartett», das für die musikalische Untermalung sorgt.

Nachwuchs aus der Schulzeit

Bei den wiederholten Inszenierungen von Schulabschluss-Theatern in seiner Zeit als Lehrer an der Oberstufe habe er immer wieder Talente entdeckt, die er ermunterte, der Theatergruppe beizutreten, sagt Bilang. So konnte er auch diesmal die vielen Rollen weitgehend mit Leuten aus den eigenen Reihen besetzen. In insgesamt vierzig Proben mit zwei ganzen Tagen am Wochenende wurden die anspruchsvollen Szenen eingeübt, die das Premierenpublikum begeisterten. Stellvertretend für alle Mitspieler seien Adrian Blattmann und Manfred Pegoraro erwähnt, die die beiden Landstreicher scheinbar mühelos verkörpern. «Es herrscht ein guter und kooperativer Geist in der Theatergruppe», so das Fazit von Klaus Bilang. Und Josef Iten, der seit 24 Jahren mitspielt, pflichtet ihm uneingeschränkt bei.

Die Thematik des Stücks hat Klaus Bilang zu einer kleinen Ausstellung im Nebenraum inspiriert. Dort werden anhand von Salzpapierabzügen als Vaganten bezeichnete Heimatlose porträtiert, wie sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts schon zu Dutzenden die Schweiz bevölkerten. Die anhaltende Problematik um die Sanspapiers zeigt, dass sich in dieser Beziehung bis heute wenig geändert hat, auch wenn diese nicht mehr als Landstreicher unterwegs sind.

In der Person von Nationalrat Gerhard Pfister konnte Pascal Iten, Präsident der Theatergruppe, vor dem Beginn der Aufführung einen prominenten einheimischen Gast ans Rednerpult bitten. In seiner Rede lobte der Politiker die langen Verdienste der Theaterleute für das kulturelle Dorfleben. Schauspieler wie Politiker, so Pfister, schlüpften in eine Rolle und spielten auf der grossen Bühne. Dabei seien die Schauspieler in der Regel kompetenter und auch erfolgreicher, sagte er mit einem Augenzwinkern, was beim Publikum für Applaus sorgte. (Hansruedi Hürlimann)

Hinweis
Weitere Aufführungen: 20.11./ 22.11./ 23.11./ 27.11./ 29.11./ 30.11 um 20 Uhr; Sonntag, 24.11. um 17 Uhr in der Mehrzweckhalle Maienmatt in Oberägeri