Andere Anlässe haben das Nachsehen

Volkskultur

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Nicht alle beklatschen das eidgenössische Schwing- und Älplerfest im August 2019 in Zug. Einige Zuger Traditionsanlässe mussten verschoben werden und fürchten nun teilweise um Engpässe bei Helfern, Sponsoren sowie Infrastruktur.

  • Das Eidgenössische hat schon neun Monate vor der Durchführung Auswirkungen auf andere Anlässe. (Bild Stefan Kaiser)
    Das Eidgenössische hat schon neun Monate vor der Durchführung Auswirkungen auf andere Anlässe. (Bild Stefan Kaiser)

Zug – Vom 23. bis 25. August 2019 steht in Zug die Schwingwelt Kopf. Das Datum für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) ist bei vielen bereits als Fixpunkt rot in der Agenda angestrichen. Rot sehen auch einige Traditionsanlässe, bei denen es aufgrund des Schwingfests zu Anpassungen und Engpässen kommt.

Die Jazz Night, welche jeweils am letzten Donnerstag und Freitag in den Sommerferien stattfindet, wird 2019 erst am 29. und 30. August durchgeführt. Das sei nicht optimal, zumal sich die Besucher das Datum gewohnt seien und mit der Verschiebung Synergien wegfallen, ärgert sich Martin Himmelsbach von der Jazz Night. Mit dem Zug Sports Festival, das jeweils kurz vor der Jazz Night stattfindet, habe man sich Festzelte teilen können. «Diese Partnerschaft fällt nun weg und führt für uns zu Mehrkosten», erklärt Himmelsbach.

Techniker sind wohl bald ein gefragtes Gut

Das Zug Sports Festival, das normalerweise am letzten Wochenende der Sommerferien Sportbegeisterte anzieht, findet im kommenden Jahr vom 26. bis 28. Juli statt. Man habe sich gemeinsam mit den Schwingfest-Organisatoren für die Terminverschiebung entschieden, betont Daniel Schärer, Organisator des Zug Sports Festivals. Das sei mit Mehraufwand verbunden, habe aber auch sein Gutes. «Wir betreiben am Schwingfest eine Festhalle. Dank dieser Halle können wir aus der Schwäche eine Stärke machen und haben 2019 zwei statt nur eine Möglichkeit, um etwas für den Sport zu tun.» Ein dritter Traditionsanlass, der wegen des Schwingfests verschoben wird, ist das Gratis-Openair Rock the Docks. «Es macht wenig Sinn, die anderen Veranstaltungen zu konkurrenzieren. Daher haben wir das Openair auf den 6. bis 8. September geschoben», erläutert Festivalleiter Martin Riesen.

Neben den Terminverschiebungen haben die Traditionsanlässe mit weiteren Herausforderungen zu kämpfen. Da das Schwingfest und die anderen Veranstaltungen zeitlich nahe beieinanderliegen, können nämlich Infrastruktur-, Sicherheitsfirmen oder Techniker an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Dies bestätigt Christoph Keller, Inhaber der Firma CK Light in Cham, die neben den erwähnten Veranstaltungen auch am Waldstock Openair und an einigen Bundesfeiern im Einsatz steht. «Wir müssen Personal und Infrastruktur zumieten, um die Anlässe stemmen zu können. Das wird zwangsweise zu Mehrausgaben führen», befürchtet Keller. Beim Rock the Docks ist man sich der Problematik bewusst. «Techniker sind in Zug ein rares Gut. An vielen Festivals stehen dieselben Leute im Einsatz», gibt Martin Riesen zu.

Steigende Konkurrenz durch das Schwingfest

Eine Herausforderung bildet auch die Suche nach Sponsoren. Der Präsident von Zug Tourismus, Heini Schmid, erklärte gegenüber dieser Zeitung (Ausgabe von gestern), dass es schwerer geworden sei, Sponsoringpartner zu finden. Man habe unterschätzt, dass sich viele Partner bereits beim Eidgenössischen Schwingfest in Zug engagieren und daher weniger verfügbar seien. Gedanken macht man sich diesbezüglich auch beim Rock the Docks. Gewisse Befürchtungen, dass Sponsoren wegen des Schwingfests wegfallen könnten, hege man schon, bilanziert Martin Riesen. «Wir können aber auf die Unterstützung langjähriger Partner zählen.»

Vorläufige Entwarnung bei den Helfern

Beim Zug Sports Festival bejaht man die steigende Konkurrenz durch das Schwingfest ebenfalls. Organisator Daniel Schärer wittert im Wettlauf um Sponsoren aber auch eine Chance. «Das Esaf ist der grösste Event der Schweiz. Da wollen viele dabei sein und viele Mittel sind gebunden. Andere jedoch werden frei, denn es können nicht alle am Eidgenössischen Schwingfest sein.»

Wo ein Fest stattfindet, braucht es zudem freiwillige Helfer. Für das Esaf melden sich laut OK-Mitglied Markus Maurer mehrheitlich Vereine aus Zug und den umliegenden Kantonen an – darunter viele Sport- und Musikvereine. Auf deren Hilfe zählen jedoch auch andere Veranstaltungen. Müssen die Traditionsanlässe nun um ausreichend Helfer bangen? Bei Jazz Night, Rock the Docks und Zug Sports Festival hat man diesbezüglich keine Angst. «Wir haben über die Jahre einen stabilen Helferpool aufgebaut», zeigt sich Daniel Schärer vom Zug Sports zuversichtlich. Auch bei den Stadtzuger Vereinen scheint der Mehraufwand durch das Schwingfest tragbar zu sein. Der Stadtturnverein Zug wird mit 30 bis 40 Personen mithelfen. Dies sei eine Mehrbelastung für den Turnverein, tangiere aber die anderen Vereinsanlässe nicht, sagt Präsident Roli Aschwanden. Ins selbe Horn stösst Manuela Hager, Präsidentin der Harmoniemusik Stadt Zug. «Das Eidgenössische ist nur einmal in Zug, da muss man einfach mithelfen.» (Laura Sibold)