Adventslichter in den Fenstern

Volkskultur

,

Vielerorts wird die Tradition weihnächtlich dekorierter Adventsfenster gepflegt, organisiert von Quartier­vereinen, Kulturkommissionen und Pfarreien. Bis Heiligabend wird nun täglich ein neues Werk aufleuchten.

  • Bei Familie Krauss vom Quartierverein Westwind entsteht ein Lichtfenster in der traditionellen Seidenpapier-Technik. Auch die Rentiere der Familie Warnecke (unten links) sind dort zu sehen. In Neuheim wurden ebenfalls die ersten Adventsfenster eröffnet. (Bilder Stefan Kaiser und Patrick Hürlimann)
    Bei Familie Krauss vom Quartierverein Westwind entsteht ein Lichtfenster in der traditionellen Seidenpapier-Technik. Auch die Rentiere der Familie Warnecke (unten links) sind dort zu sehen. In Neuheim wurden ebenfalls die ersten Adventsfenster eröffnet. (Bilder Stefan Kaiser und Patrick Hürlimann)

Zug – Im Quartier Westwind hatten gestern bereits das amerikanische Rentier Rudolph und der dicke Santa Claus im Schlitten ihren ersten Auftritt, indem sie quer über ein mit Sternen dekoriertes, hell erleuchtetes Fenster an der Strasse Im Rank galoppierten. Es ist das Adventsfenster von Familie Warnecke. Vater Thomas ist Präsident des Quartiervereins Westwind, der die Gebiete Rank, Riedmatt, Riedpark und Ammannsmatt umfasst.

Bereits zum sechsten Mal organisiert der Verein ein Adventsfenster-Projekt. Freiwillige Bastler und Dekorateure finden sich erfreulicherweise immer mehr als genug. «Manchmal bekommen wir so viele Angebote, dass wir einige Leute aufs nächste Jahr vertrösten müssen», erklärt Thomas Warnecke. Ein Flyer, der jedes Jahr gedruckt und im Quartier verteilt wird, gibt Auskunft über die Standorte der Fenster.

Wettbewerb mit Lösungswort

Als besonderen Anreiz, sich alle Fenster anzusehen, hat der Verein dieses Jahr sogar einen Wettbewerb eingebaut. «In jedem Fenster ist ein Buchstabe integriert. Zusammen ergeben die 24 Buchstaben ein Lösungswort», verrät der Präsident. Das Lösungswort könne via Internet oder schriftlich eingereicht werden. «Unter allen richtigen Antworten wird ein Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken verlost.»

In früheren Jahren war mit der Eröffnung der Fenster jeweils auch ein kleiner Apéro-Empfang bei der entsprechenden Familie verbunden. «Wir sind aber mittlerweile dazu übergegangen, alle Adventsfenster-Gestalter zu unserem Mitglieder-Advents­apéro Mitte Dezember einzuladen», berichtet Warnecke. «Bei einem gemeinsamen Fackellauf durchs Quartier ziehen wir dann an den meisten Fenstern vorbei.» Danach würden Bratwurst und Glühwein im Freien gereicht. «Dieses Jahr versuchen wir erstmals, mit den Kindern des Quartiers ein kleines Adventskonzert zu organisieren.»

Ausser der Wahl eines adventlichen Themas gibt’s bezüglich Gestaltung und Ausführung keine Regeln, jedes Jahr ein neues Motiv ist jedoch Ehrensache. «Meiner Frau und unseren beiden Kindern macht die Gestaltung des Adventsfensters immer viel Spass», erklärt Warnecke, und ja, das sieht man der originellen Nummer eins auch an.

Auch Schulen und Pfarreien machen mit

In Oberägeri und Neuheim gibt es die Tradition der Adventsfenster schon seit vielen Jahren. Mit von der Partie sind jeweils auch die Schulen und die Pfarreien. In manchen Familien wird am Eröffnungstag des Fensters ein Apéro im Freien spendiert. Aber es ist nicht leicht, in den beiden Gemeinden immer genügend bastelfreudige Bürger zu finden. Während man es in Oberägeri hinnimmt, dass halt zwischendurch mal eine Lücke im adventlichen Fensterkalender entsteht, gehen die Verantwortlichen der Kulturkommission Neuheim aktiv Klinken putzen.

«Auf unsere Ausschreibung im Gemeindeblatt hin meldet sich fast niemand», stellt Oliver Staubli, Mitglied der Kulturkommission, nüchtern fest. Auf seinem Rundgang von Tür zu Tür erreicht er wesentlich mehr. «Häufig sind es Expat-Familien, die spontan mitmachen möchten. Bei ihnen rennen wir quasi offene Türen ein.» Aber auch Schweizer Familien seien oft bereit, sich auf die persönliche Anfrage hin zu engagieren.

Jedes Jahr wird eine andere Route festgelegt, an der die verschiedenen Fenster liegen. Ein Flyer, der in alle Haushaltungen verschickt wird, zeigt diese Route mit sämtlichen Standorten auf. «So kommt jedes Quartier etwa alle drei bis vier Jahre an die Reihe», stellt Staubli fest. Im Dezember 2018 stehen das Windenbodenquartier und die Obere Rain­strasse im Fokus der adventlichen Dekorationen. Dort, auf dem Windenboden, befindet sich auch der Hof von Familie Staubli. «Wir haben uns gemeinsam mit Nachbarn etwas ganz Spezielles mit viel Licht einfallen lassen», verrät Oliver Staubli. «Der ganze Hof wird dekoriert.» Man darf sich also auf den 7.Dezember freuen.

Erlebnisräume statt Fenster

Gestern wurde der diesjährige Neuheimer Adventskalender mit dem traditionellen Empfang beim Pfarrhaus auf dem Dorfplatz eröffnet. «Die Kirchgemeinde übernimmt immer zwei Termine, den 1. und den 24.Dezember.» Zur Eröffnung gibt’s für alle einen Apéro mit Lebkuchen und Punsch. «Ziel dieses alljährlichen Projekts ist es, die Familien in der Vorweihnachtszeit zusammenzubringen und auch Neuzuzüger einzubeziehen», betont Staubli.

In Oberägeri kümmert sich das Seelsorgeteam der katholischen Pfarrei unter der Leitung von Diakon Urs Stierli in Zusammenarbeit mit Bernadette Rösch um die Organisation der Adventsfenster-Aktion. Selbst hat das Team dieses Jahr drei Termine mit etwas anderen Fenstern übernommen.

«Wir basteln zwar nicht, sind aber im Dezember einmal pro Woche im Rahmen unseres Adventsthemas mit den Leuten unterwegs», erklärt Stierli. Dieses lautet schlicht «Raum». Das Seelsorgeteam schafft also Erlebnisräume für die Bevölkerung Oberägeris.

Zum Unterbegriff «Kirchenraum» findet eine Taschenlampenführung durch die Pfarrkirche statt, unter dem Stichwort «geschlossener Raum» wird Interessierten Einblick in die Strafanstalt Bostadel gewährt. «Luftraum» schliesslich umfasst die Welt eines Piloten, der von seinen spannenden Erlebnissen berichtet.

«Das Projekt der Adventsfenster wird sehr geschätzt», erzählt Stierli. «Es entsteht damit eine besinnliche Stimmung im Dorf mit offenen Stuben, wo man sich trifft und austauscht.» (Cornelia Bisch)