Unfrieden um ein Friedenskreuz

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Dass in Zug ausgerechnet um ein Mahnmal des Friedens einen Kleinkrieg entbrannt ist, mutet paradox an.

  • Das Kreuz blickt vom Rothusweg auf die Stadt Zug. (Bild Matthias Jurt)
    Das Kreuz blickt vom Rothusweg auf die Stadt Zug. (Bild Matthias Jurt)

Zug – Es war vor allem in den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren vielerorts Brauch, sogenannte Friedenskreuze aufzustellen. Es sollten stille Mahnmale gegen den Krieg sein. Sie waren grundsätzlich sehr schlicht gehalten ohne grosse Zierde, mit einfachem Stamm und Querbalken, teils mit Korpus, meist ohne. Gelegentlich wurden auch Friedenskreuze aufgestellt, welche an Auseinandersetzungen erinnern, die weiter zurückliegen. So eines finden wir beispielsweise in Deinikon bei Baar. Am dortigen Friedenskreuz von 1931 wird der Opfer des Zweiten Kappelerkrieges von 1531 gedacht.

Seit 1950 steht – mit einem kleinen Unterbruch – ein Friedenskreuz auch etwas oberhalb der Stadt Zug am Rothusweg. Denn es gab über einige Jahre hinweg eine ziemlich unschöne Zankerei zwischen der Kirchgemeinde und dem Grundstückseigentümer. Aufgestellt wurde das Kreuz ursprünglich um 1950 auf Initiative des Zuger Nationalrates Konrad Hess (1908–2001) auf seinem Grundstück. Dies anlässlich des wenige Jahre zuvor beendeten Zweiten Weltkrieges. Es war ein einfaches Holzkreuz mit der Inschrift «Herr, gib Frieden». Die Weihe erfolgte am 17. September 1950, dem eidgenössischen Buss- und Bettag.

Die Parzelle wird mehrmals verkauft

Um Instandhaltung und Pflege des Kreuzes wie auch der kleinen Parzelle, in der es steht, zu gewährleisten, liess Hess anno 1977 im Grundbuch festgehalten, dass der jeweilige Grundstückseigentümer dazu verpflichtet sei. Bei Zerstörung oder Beschädigung habe er für Reparatur oder Ersatz zu sorgen. Im genannten Jahr nämlich verkaufte Hess die Parzelle mit dem Kreuz an den Eigentümer des angrenzenden Grundstückes und wollte damit erwirken, dass sein Zeichen des Friedens weiterhin erhalten bleibt. Im Frühjahr 2006 wurde das Grundstück inklusive Kreuzparzelle abermals verkauft. Das Friedensmonument war in die Jahre gekommen, der Stamm morsch und instabil. Der neue Besitzer meldete dem Kirchenrat den desolaten Zustand. Letzterer liess ihm die Offerte eines Schreiners für die Reparatur des Holzkreuzes in Höhe von rund 14000 Franken zukommen. Doch anstatt das Kreuz reparieren zu lassen, machte der Eigentümer kurzen Prozess mit ihm. Er sägte es um.

Das freute die Kirchgemeinde ganz und gar nicht. Sie bestand auf den im Grundbuch festgehaltenen Pflichten, die ihrer Ansicht nach einen allfälligen Ersatz des Kreuzes umfassen. Der Eigentümer aber wollte davon nichts wissen und behauptete, so wie das im Grundbuch zu lesen sei, habe er das Kreuz lediglich zu dulden und der Kirchgemeinde Zugang zu gewähren. Als er das Grundstück damals erworben hatte, habe er nichts von der Unterhaltspflicht gewusst, und weil das am Stamm stark morsche Kreuz allmählich eine Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte, habe er es entfernt. Es folgte ein schriftlicher Austausch zwischen Besitzer und der Kirchgemeinde – ohne Einigung. Man schlug den rechtlichen Weg ein, wodurch beiden Seiten ein langwieriger Konflikt ins Haus stand – ein regelrechter Kleinkrieg wegen eines Friedenskreuzes. Wie paradox.

Anonymer Spender springt ein

Doch dann, kaum ein halbes Jahr später, offerierte ein unbekannter Gönner der Kirchgemeinde 15000 Franken für einen Ersatz des abgeräumten Friedenskreuzes. Mit dieser edlen Geste und wohl auch mit dem erneuten Verkauf des besagten Grundstückes zeichnete sich ein Ende der Streitereien ab. Es wurde ein neues Kreuz aus Metall angefertigt, schwarz bemalt und an der Stelle des Vorgängerkreuzes aufgestellt. Am 17. August 2008 segnete es Pfarrer Urs Steiner im Beisein einiger Pfarreiangehöriger feierlich ein. Eine Tafel am Zaun erinnert an das ursprüngliche Kreuz und dessen Inschrift wie auch an die Neuerrichtung 2010.

Von der dortigen Ruhebank schweift der Blick über die Hecke am Kreuz vorbei auf die Stadt Zug. Allerdings gab es auch danach wieder gelegentlich Nachlässigkeiten bezüglich Unterhalt. In einem Protokoll der Kirchgemeindeversammlung der Jahre danach ist zu lesen, dass die Hecke den Blick versperrt und sie gestutzt werden soll. Man müsse dazu das Gespräch mit dem Eigentümer suchen ... (Andreas Faessler)

Hinweis
In der Serie «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.