Auslassungen gehören hier dazu

Bühne

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In der zweiten Augusthälfte unternimmt der Operettensommer eine Fahrt auf den Mond. Daneben sind noch zwei weitere Stücke zu hören respektive zu sehen.

Zug – Mit Kernschatten und Ekliptik hatte die vergangene Jahrhundert-Mondfinsternis wohl doch nichts am Hut. Die Quickchange-Company brauchte bloss einen Teil unseres weissen Nachbarn für die Proben ihres neuen Stücks. Eines, auf das sich der Regisseur Björn Bugiel seit Jahren freut: «Ich liebe Frau Luna› seit Jahren. Das Setting, die Songs, der Drive, der durch das Stück zieht. Es ist eine Freude, endlich damit arbeiten zu können.»

Schwer zu sagen, ob Bugiel generell ein äusserst begeisterungsfähiger Mann ist, oder ob ihn das Stück so beschwingt, als er gestern bei den ersten Vorproben darüber spricht. Vielleicht ja auch beides. Fest steht, dass die Rechte für die burlesk-fantastische Ausstattungsoperette des Berliner Komponisten Paul Lincke, nun über 70 Jahre nach dessen Tod, endlich frei verfügbar sind.

Auch für die charakteristische Bearbeitung durch Bugiel und seiner Company. Vom 18. August bis 2. September gibt das junge Kollektiv nun zehn Aufführungen von insgesamt drei verschiedenen Stücken.

Neben «Frau Luna» zeigen sie «My Fair Lady» und «Im Weissen Rössl». Operetten- und Musicalklassiker, welche die Quickchange-Company ebenfalls auf eine rasante Stunde Spielzeit zusammenkürzt. Die grössten Hits und der grundsätzliche Plot der Stücke kommen bei den Neuauflagen jedoch ungeschoren davon.

«Wir zielen auf eine Zielgruppe, die sich vom normalen Theaterbesucher abhebt. Zuschauer, die sich nur schwerlich eine dreistündige Operette im Stadttheater ansehen würden, geniessen unsere rasant gespielten Kurzformen der grossen Klassiker», erklärt Bugiel seine Arbeit. Gespielt wird auf dem Vorplatz der Gewürzmühle. Bei schlechtem Wetter in der Halle. Ein Konzert storniert wird hier nicht.

Die Kleider für die Kostüme stammen aus Paris

Nicht der Mann im Mond, sondern die Dame des Hauses gibt den Ton an. Die Sängerin und Schauspielerin Raya Sarontino leiht Frau Luna ihre glasklare Sopranstimme und empfängt die Berliner Luftfahrer im galaktisch glitzrigen Kleid. «Die Stoffe für die ziemlich spacigen Kostüme haben wir bei einer – sagen wir mal – Kulturreise durch Paris gefunden», erzählt die Schneiderin und Kostümbildnerin Agatha Imfeld. In ihrem Atelier in der Gewürzmühle setzt sie Bugiels ausgefallene Entwürfe um. Auch das Bühnenbild verspricht interessant zu werden. «Wir möchten auf jedweden technischen Schnickschnack verzichten», erklärt Bugiel und fährt fort: «Gleichzeitig soll es aber eindrückliche Szenenwechsel geben: Nichts weniger als von Berlin zum Mond und zurück!»

Die Herausforderung liege darin, die Gegebenheiten der Gewürzmühle möglichst kreativ auszureizen. Zwischen beschwingten Märschen und gefühlvollen Walzern spielt sich die junge Company um Kopf und Kragen – Luftballett inklusive. «Der Operettensommer ist für uns natürlich nicht das lukrativste Engagement des Jahres», gesteht Nicole Sieger. «Aber ganz bestimmt eines der Lustigsten. Die familiäre Stimmung, und die spritzigen Stücke lassen hier etwas ganz Spezielles entstehen.»

Mittlerweile erfreut sich der Operettensommer in Zug einer treuen Stammgemeinde. «Anfangs spielten wir hier noch vor vielleicht vierzig Leuten. Heute sind es schon dreimal mehr.» Ein Geheimtipp bleibt die Truppe mit der guten Laune aber nach wie vor.

Der Ernstfall beginnt erst in einigen Tagen

In einigen Tagen laufen die Proben von «Frau Luna» richtig an. Innert rund zehn Tagen bringt Bugiel seine Vision auf die Bühne. «Es ist unglaublich, wie gut er abschätzen kann, welche Arbeiten wie viel Zeit benötigen werden», sagt Sieger. Durch Bugiels Planung und klare Vorstellungen könne sich das Stück in der kurzen Zeit extrem weit entwickeln, erläutert Sieger und lobt sich und das Ensemble ein wenig selber, in dem sie sagt: «Und natürlich auch, weil wir einfach richtig gut sind!» Letzteres kann sie sich über das breite Grinsen hinweg dann im Gespräch dann doch nicht verkneifen. (Wolfgang Meyer)