Erich II. – vorwärts marsch!

Volkskultur

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Die sogenannte Räbenmetropole Baar hat ein neues Fasnachtsoberhaupt: Mit Erich II. Andermatt und seiner Frau Andrea geben zwei geerdete Baarer und Vollblutfasnächtler in der kommenden fünften Jahreszeit den Ton an.

  • Erich II. Andermatt und seine Gattin Andrea sind das Räbevaterpaar 2019. (Bild Stefan Kaiser)
    Erich II. Andermatt und seine Gattin Andrea sind das Räbevaterpaar 2019. (Bild Stefan Kaiser)

Baar – Es ist wie jedes Jahr das grösste und das am besten gehütete Geheimnis in der Räbemetropole, wie Bar in «Fasnächtlerisch» genannt wird: Wer wird das neue Fasnachtsoberhaupt? Wer darf als Räbevater in der schönsten Jahreszeit den Takt und den Ton angeben? Am Räbevatermöhli von gestern Freitag, 16. November, im Restaurant Maienrisli wurde dieses Geheimnis gelüftet.

Doch bevor der designierte Räbevater zusammen mit seiner Räbemueter durch die Küche das Lokal betreten durfte, brodelte es nochmals in der Gerüchteküche. Es sei ein bereits mehrfach gehandelter Räbevater, er wisse zu regieren und zu führen. Er sei nordischer Herkunft, weise den Baarern den rechten Weg, kenne die Fasnacht seit Kindsbeinen und sei seit frühester ­Jugend verbunden mit Baar, erklärte Räbevater-Obmann Martin II. Neese. «Das trifft fast auf alle von uns zu», schloss er seine Aufzählung – und verdeutlichte damit, dass die Tipps, die bereits vor dem Räbevatermöhli im Dorf kursierten, keinen eindeutigen Schluss zuliessen.

Zwei Guggenmusiker

Der Räbevater-Obmann wurde noch etwas konkreter: «Räbedibum! Vorwärts marsch!», so laute das Motto des neuen Räbevaters. Das töne nach Basler Fasnacht und nach Strammstehen. Zumindest das Zweite treffe zu, sei der designierte höchste Baarer doch auch im Militär ein ­hohes Tier. Eigentlich habe das Motto aber einen musikalischen Hintergrund und sei streng genommen kein Motto, sondern eine Devise. Denn der Räbevater sei ein Devisenhändler. Damit war das Ratespiel beendet, und das neue höchste Baarer Fasnachtspaar durfte aus der Küche in den Kreis der Gilde der ehemaligen Räbeväter und Räbemüeter treten.

Mit Erich II. und Andrea Andermatt übernehmen zwei Vollblutfasnächtler die Herrschaft über das Fasnachtsvolk. Erich II. Andermatt ist Klarinettist bei den Fidelios, der dienstältesten Baarer Guggenmusik, seine Frau ­Andrea ist aktives Mitglied in der Guggenmusik Minifodrios. Und auch ihre drei Kinder sind alle ­aktive Kakofoniker. Da passt es bestens, dass die neue Plakette der Räbefasnacht Baar zwei musizierende Räbegäuggel zeigt.

Zepter statt Klarinette

In seiner ersten Ansprache blickte Erich II. Andermatt zurück: «Das war ein unglaublicher Sommer», sagte er. Nicht wegen des Wetters, sondern wegen der Anfrage der Gilde der Räbe­väter, die am Freitag, dem 13. Juli, erfolgte. Für Erich Andermatt und seine Familie ist dieses Datum spätestens jetzt ein Glückstag. Der designierte ­Räbevater machte keinen Hehl daraus, dass er sich auf die Fasnacht als Oberhaupt freut – ­genau wie seine Frau Andrea. «Nach über 30 Jahren als Guggenmusikanten wird es für uns eine ganz spezielle Fasnacht», betonte er. Die Musik wird für ihn trotzdem nicht zu kurz kommen: Erich Andermatt ist Mitglied der Feldmusik Baar. Auch politisch ist Andermatt aktiv: Das CVP-Mitglied ist Vizepräsident des Baarer Bürgerrats. Die Voraussetzungen für eine bombastische Räbefasnacht 2019 könnten also nicht besser sein.

Neuer Fasnachtsauftakt

Etwas Sorgen bereitete Erich II. Andermatt aber die Suche nach einem geeigneten Motto. Als ­Devisenhändler studierte er zunächst an ein paar Ideen herum, die mit seinem Beruf zu tun haben. «Dörfs es bitzli meh sii?», «Ned motze, chlotze!» oder «Hin und her macht Taschen leer» respektive «Hin und her macht Flaschen leer» seien dann aber nicht die erste Wahl gewesen. Stattdessen bezieht sich sein fasnächtlicher Leitsatz auf seine musikalische Ader. «Unsere Devise heisst: Räbedibum! Vorwärts marsch!», so Andermatt, der damit aber nicht nur die Verbindung zur ­Musik zeigen will. Es stecke auch eine Philosophie dahinter: «Wir wollen eine Fasnacht mit Tradition, aber auch eine Fasnacht, die nach vorne schaut und sich der Zeit anpasst», sagte er. Eine Änderung wird es an der ­Fasnacht 2019 geben: Der Fasnachtsauftakt wird neu gestaltet. Am Fasnachtssamstag wird nach dem Gottesdienst (18 Uhr in der Kirche St.Martin) erstmals ein Fackelzug den Räbevater und sein Gefolge zum Rathaus führen. Dort wird nach 19 Uhr die traditionelle Konfettischlacht stattfinden. Der Startschuss wird damit nochmals etwas bombastischer. Und der Räbevater wird sein Motto in die Tat umsetzen können: «Vorwärts marsch!» (Silvan Meier)