Schelm-Musical und Blindenparcours

Musik, Theater & Tanz

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Die Baarer Schule Sonnenberg lud zum Tag der offenen Türe ein. Besucher konnten die Perspektive der Blinden einnehmen.

Baar – Leise trippelt ein süsser Berner Sennenhund am Samstag durch die voll besetzten Reihen der Aula. Er trägt ein Foulard mit der Aufschrift «Therapiehunde Schweiz» und blickt etwas enttäuscht um sich. Wahrscheinlich ist er sich gewohnt, die volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch diese geniessen in diesem Moment die Primar- und Oberstufenschüler der Sonderschule Sonnenberg: Sie führen das lustig-doofe Mundart-Musical «Schildbürger» auf.

Die Einleitung der sogenannten «Schelmengeschichten», auf denen das Musical aufbaut, geht wie folgt: Die Männer der Stadt «Schilda» waren derart für ihre Klugheit bekannt, dass sich sogar Könige und Sultane um ihren Rat bemühten. Die verlassenen Frauen kamen alleine nicht zurecht. Deshalb schickten sie ihren Männern einen zornigen Brief, um sie zurückzuholen. Diese fuhren so schnell wie möglich in ihre Heimat und beschlossen, sich von nun an dumm zu stellen – und eines Tages wurden sie wirklich dumm. Dem Organisations-Trio Martin Huwyler, Martha Vollenweider und Claudia Friedli gelang es, Leben in die darauffolgenden Kurzgeschichten einzuhauchen. Beispielsweise brach eines Tages ein Krieg aus, worauf die Schildbürger ihre Kirchenglocke (für immer) versteckten – auf dem Grund des Sees.

Bei der Einstudierung sei es nicht einfach gewesen, auf die unterschiedlichen Niveaus der Schüler einzugehen, sagte Martin Huwyler im Nachhinein. Denn seine Schüler haben alle eine Seh-, Sprach- oder Wahrnehmungsbeeinträchtigung oder sind verhaltensauffällig. Huwyler habe sich gefragt: «Wie kommt jeder am besten zur Geltung?» Die auffällig bunt gemischte Truppe meisterte ihre Aufgabe lässig-locker.

Eine Art Tischtennis für Blinde ausprobieren

Neben dem Besuch des Musicals, der Festwirtschaft und der Ländlermusik konnte man den eigenen Namen in der Blindenschrift drucken und das sogenannte Showdown ausprobieren – eine Art Tischtennis für Blinde. Zu guter Letzt gab es einen Blindenparcours zu absolvieren. Mit abgedeckten Augen und Blindenstock wurde der Schreibende durch ein kleines Labyrinth geführt, wobei er sich merken sollte, wie viele unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten er hinter sich liess. Gerade mal 14 zählte er, tatsächlich waren es jedoch 20. Die Welt aus der Sicht eines Blinden wahrzunehmen, stellte auf jeden Fall einen erfrischenden Perspektivenwechsel dar. (Fabian Gubser)