Schmuckes, kleines Relikt aus Alt-Baar

Dies & Das, Kunst & Baukultur

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Dank einer beherzten Initiative konnte mit dem heute «Kunstkiosk» genannten Holzhäuschen im Robert-Fellmann-Park ein Stück Baarer Geschichte gerettet werden. Das kleine Gebäude ist 2013 en bloc hierher versetzt worden.

  • Seit 2013 bereichert der «Kunstkiosk» den Robert-Fellmann-Park im Zentrum von Baar. Das hübsche Holzhäuschen repräsentiert ein Stück Baarer Geschichte. (Bild Stefan Kaiser)
    Seit 2013 bereichert der «Kunstkiosk» den Robert-Fellmann-Park im Zentrum von Baar. Das hübsche Holzhäuschen repräsentiert ein Stück Baarer Geschichte. (Bild Stefan Kaiser)

Baar – Es ist, als hätte das helltürkis farbene Holzhäuschen schon immer hier gestanden, im Robert-Fellmann-Park am Kreuzplatz mitten im Baarer Dorfkern. Es könnte als Geräteschuppen durchgehen, als Gartenpavillon, gar als öffentliche Toilette. Natürlich ist es nichts von all dem, und es steht hier auch erst seit dem Frühjahr 2013. Ein Glück, denn wäre es an seinem ursprünglichen Standort verblieben, würde das hübsche Gebäude heute nicht mehr existieren.

Es stand einst zwei Steinwürfe von der heutigen Stelle entfernt an der Adresse Marktgasse 10 östlich vom 2014 abgerissenen Restaurant Rössli – da, wo in absehbarer Zeit eine neue Überbauung entsteht. Wann genau das Häuschen errichtet worden ist, scheint nicht verlässlich dokumentiert. Aber da es einst zu einem Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1893 gehört und womöglich als Waschhaus gedient hatte, lässt sich in etwa diese Entstehungszeit annehmen. Gewiss ist, dass der kleine Holzbau mit flachem Walmdach von 1903 bis 1962 eine Schuhmacherwerkstatt beherbergte. Im Anschluss zog hier für einige Jahre die erste Baarer Arbeiterbibliothek ein, ehe um 1971 die Baarer Schmuckdesignerin Brigitte Moser darin 27 Jahre lang ihr Atelier betrieb. In den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende wurde der Pavillon von einem Architekten und einem Grafikunternehmen als Schauraum genutzt.

Verschiebung per Pneukran

2011 war die erwähnte Überbauung beschlossene Sache, was für das Holzhäuschen unweigerlich das Ende bedeutet hätte, hätte man es hier stehen lassen. Dank dem Einsatz der Baarer Autorin Maria Greco konnte dieser Verlust verhindert werden. Gemeinsam mit drei weiteren Frauen, darunter die Schmuckdesignerin Brigitte Moser, gründete Greco den Verein Kunstkiosk und trug ihr Anliegen, das Gebäude zu retten, an die Grundeigentümerin Alfred Müller AG. Diese zeigte Herz, überliess dem Verein das Häuschen und sicherte ihm zu, das Gebäude an einen neuen Standort zu verschieben, sobald einer gefunden sei. Im Oktober 2012 war klar: Das Gebäude ­ sollte im nahe gelegenen Robert-Fellmann-Park zu stehen kommen, wo die Gemeinde unentgeltlich Land zur Verfügung gestellt hatte. Im März 2013 folgte der kühne Akt: Mit einem grossen Pneukran wurde das rund siebeneinhalb Tonnen schwere Holzhaus von seinem Ziegelsteinsockel gehoben und durch die Luft in den Robert-Fellmann-Park auf ein neues Betonfundament versetzt. Zwischen dem Verein und der Gemeinde war eine Nutzungsvereinbarung zu Stande gekommen, der Verein erhielt einen Investitionsbeitrag für die Restaurierung des nunmehr «Kunstkiosk» genannten Gebäudes. Die braunen Ecklisenen waren teils in einem schlechten Zustand und wurden instand gestellt oder erneuert. Die Aussenwände wurden neu gestrichen, das Innere isoliert, der Boden neu geschliffen und versiegelt.

Eine Bereicherung für die Grünanlage

Seither präsentiert sich der Kunstkiosk frisch und reizend und fügt sich wunderbar in den kleinen Park ein. Da der Standort des Kunstkiosks an dessen rückwärtigem Rand ist, wird das Erscheinungsbild der Grünanlage nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: Der Kunstkiosk ist gar eine optische Bereicherung. Als Kultureinrichtung nimmt der kleine Zeitzeuge aus dem alten Baar eine sinnvolle Aufgabe wahr. (Andreas Faessler)

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.