Zuger Baugeschichte erleben

Brauchtum & Geschichte, Kunst & Baukultur

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Das Referendumskomitee gegen das neue Denkmalschutzgesetz organisiert Führungen.

  • Kunst- und Architekturhistoriker Reto Nussbaumer gab einen Einblick in die Zuger Geschichte. (Bild PD)
    Kunst- und Architekturhistoriker Reto Nussbaumer gab einen Einblick in die Zuger Geschichte. (Bild PD)

Zug – Historische Bauwerke geben Antworten auf Fragen zu unserer Geschichte und sind deshalb Teil dessen, was wir als unsere Heimat bezeichnen. Das Referendumskomitee gegen das neue Denkmalschutzgesetz lädt im Vorfeld zur Abstimmung vom 24.November dazu ein, dies an fünf Begehungen mit namhaften Experten zu erkunden.

Am Samstag, 21.September, fanden sich rund 50Interessierte zur zweiten Veranstaltung dieser Reihe beim Kollegium St.Michael in Zug ein, um anhand baulicher Zeitzeugen in die Geschichte der Stadt Zug und insbesondere des Quartiers St.Michael einzutauchen.

In den Kirchen herrscht Platzmangel

Der Zuger Kunst- und Architekturhistoriker Reto Nussbaumer begrüsste die Anwesenden mit einem kurzweiligen Rückblick in die Zuger Geschichte. Das Schleifen des Baarertors trug zur Stadterweiterung nach Norden bei, nach Süden war der Bau der Artherstrasse und die Eröffnung der Gotthard-Eisenbahnlinie prägend und hatte einen grossen Einfluss auf die Stadterweiterung. Nicht zuletzt liess die Vorstadtkatastrophe von 1887 die Zuger Bautätigkeit gegen den Berg hinwenden – ein Gebiet, welches bis zur vorletzten Jahrhundertwende nur von einzelnen Gebäuden bebaut war. Das Knabenpensionat St.Michael als Bau von 1872/73 ist ein früher Vertreter dieser neuen Bebauung und ein wichtiger Zeuge der Zuger Bildungsgeschichte.

Das Bevölkerungswachstum führte auch dazu, dass in den Kirchen nicht mehr genügend Platz war. Überlegungen gingen über die Erweiterung der St.Oswaldskirche bis zum Neubau der St.Michaelskirche – leider unter Verlust der wertvollen alten Michaelskirche, welche 1898/99 abgerissen wurde. Der Neubau der St.Michaelskirche wurde 1899 bis 1902 durch das renommierte Architekturbüro Curjel und Moser ausgeführt. Sie bauten ein imposantes Gesamtkunstwerk in romanischen Grundformen mit Dekorationselementen des Jugendstils.

Ein weiterer Wettbewerb zur Weiterentwicklung für dieses Ensemble mit der Kirche, dem Kollegium und dem Friedhof war der Neubau vom Lehrerseminar und Kollegium, den das damals junge Zuger Architekturbüro Hafner + Wiederkehr gewann. Ein Rundgang durch diesen Gebäudekomplex führte vor Augen, dass mit diesem selbstbewussten und dennoch in der Quartierkörnung sorgfältig gegliederten Bau mit der raffinierten Lichtführung ein ganz neues Raumgefühl geschaffen werden konnte. Ein sowohl extrovertierter Bau, welcher trotzdem Ruhe und Einkehr für die Studierenden ermöglichte. Das Gebäude, welches 1961 eingeweiht wurde, ist ein eindrückliches Beispiel von qualitätvoller, jüngerer Baukultur, welche nach einer sorgfältigen Restaurierung auch heute noch erlebbar ist.

Die nächste Führung findet am Samstag, 26.Oktober, in Risch-Rotkreuz statt. Der Lokalhistoriker Richard Hediger wird um 10Uhr beim Wilden Mann durch den Weiler Buonas mit St.Germann führen und diesen Ort mit Geschichten füllen.

Für das Referendumskomitee Denkmalschutzgesetz-Nein: Oliver Guntli

Hinweis
Weitere Führungen unter: www.denkmalschutzgesetz-nein.ch